Ärzte Zeitung, 09.04.2009

"Gehetzte Ärzte, gestresste Schwestern"

Klinikpatienten vermissen ärztliche Zuwendung und eingehende Aufklärung: Die Patienten bekommen die Arbeitsverdichtung in Krankenhäusern zu spüren.

Von Dirk Schnack

Hektik und Stress bestimmen den Arbeitsalltag in vielen Kliniken.

Foto: imago

KIEL. Klinikpersonal auf Rollschuhen, damit es seine Aufgaben noch schneller erfüllen kann: Dieser nicht ernst gemeinte Rat eines Patienten aus einer Umfrage in den Krankenhäusern im Norden zeigt, dass die Patienten das Kernproblem der Kliniken am eigenen Leib erfahren.

"Keine Zeit, zu wenig Personal, gehetzte Ärzte und Schwestern" lauteten weitere Kommentare von Patienten aus der Umfrage, die alle zwei Jahre an den Krankenhäusern in Schleswig-Holstein durchgeführt wird. An der aktuellen Umfrage hatten sich 2600 Patienten aus neun Kliniken beteiligt.

Im Zeitablauf ist erkennbar, dass die Zufriedenheit mit der stationären Versorgung abnimmt. Ärztliche Zuwendung, eingehende Aufklärung über die Krankheit und mangelnde Vorbereitung auf die Zeit nach dem Klinikaufenthalt lauten die wichtigsten Kritikpunkte der Patienten.

"Wir erleben, dass neben den Mitarbeitern auch immer mehr die Patienten unter der Hektik des Klinikalltags leiden - ein Ergebnis permanenten Budgetdrucks", sagte Bernd Krämer. Für den Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) spiegeln die Kommentare und Bewertungen der Patienten den Klinikalltag im Norden realistisch wider. Ursache der Hetze ist eine schlechtere Personalausstattung. In Schleswig-Holstein muss eine Pflegekraft im Durchschnitt 58,9 Patienten versorgen, im Bundesdurchschnitt 56,2. Krämer führt dies auf die in Schleswig-Holstein schlechtere Bezahlung von Klinikleistungen zurück. Ohne Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen sieht er keine Chance, die Patienten zufrieden zu stellen.

Insgesamt bekommen ärztliche und pflegerische Behandlung aber noch immer gute Noten. Deren Niveau schätzen über 90 Prozent der Befragten als gut oder sehr gut ein. Fast 99 Prozent würden das gewählte Krankenhaus erneut aufsuchen.

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