Ärzte Zeitung, 16.04.2009

Nur ein harter Kern verweigert die Impfung

Impfmüde sind Deutschlands Eltern nicht, aber verunsichert. Viele glauben, Impfungen könnten den Organismus ihres Kindes schädigen. Experten verneinen das - und setzen auf mehr Aufklärung durch Ärzte.

Ein Pikser, der nicht wehtut und auch nicht schadet, wie Experten betonen. Ein Kind wird vom Arzt geimpft.

Foto: Novartis

Von Thomas Hommel

BERLIN. Wer bei Google das Wort Impfung als Suchbegriff eingibt, bekommt binnen weniger Sekunden 1,2 Millionen Treffer geliefert. Auf vielen der Webseiten werden auch Einwände geltend gemacht - vor allem gegen Impfungen bei Säuglingen und Kindern. Impfungen, heißt es, würden das Immunsystem der Kleinen überlasten. Zudem müsse mit Nebenwirkungen gerechnet werden.

91 Prozent aller Eltern in Deutschland lassen ihre Kinder trotz solcher Vorbehalte impfen, wie aus einer von der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) und der Zeitschrift "Eltern" in Auftrag gegebenen aktuellen Forsa-Umfrage unter 1008 Eltern von Kindern bis sechs Jahren hervorgeht. Gut ein Prozent der Mütter und Väter weigert sich indes beharrlich, ihre Kids impfen zu lassen.

Für Dr. Gerhard Kroschke, DAK-Experte und Kinderarzt in Hamburg, ist das eine durchaus besorgniserregende Zahl. "Impfungen sind die im Kampf gegen Kinderkrankheiten effektivsten Präventionsmaßnahmen, die wir haben", sagt er. Daher müssten Eltern mögliche Ängste vor dem Impfen ihrer Kids genommen werden. Und die gibt es. So glauben laut DAK-Umfrage 44 Prozent der Befragten, so genannte Mehrfachimpfungen könnten den Organismus von Säuglingen überfordern. "Die Sorge ist unbegründet", entgegnet Kroschke. Die Menge der Antigene - also der Proteine, die beim Immunsystem Abwehrreaktionen hervorrufen - seien in den heute verwendeten Impfstoffen so gering, "dass das Immunsystem des Babys sehr gut damit fertig wird". Viel schlimmer als die Impfungen seien die Krankheiten, vor denen sie schützen sollen.

Patienten regelmäßig nach dem Impfstatus fragen!

Anlässlich der kommenden Montag startenden 4. Europäischen Impfwoche der Weltgesundheitsorganisation (WHO) appellieren Krankenkassen wie die DAK daher an Eltern, ihren eigenen und den Impfstatus ihrer Kinder zu überprüfen und versäumte Impfungen nachzuholen. "Wir haben in Deutschland insgesamt gesehen eine relativ hohe Impfquote, es finden sich jedoch Defizite in bestimmten Bereichen", erklärt Professor Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Defizite gebe es besonders bei Auffrischungsimpfungen gegen Tetanus und Diphtherie, der Immunisierung gegen Keuchhusten und gegen Hepatitis B sowie bei der zweiten Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Pott schätzt die Zahl der Eltern, die nicht oder nur eingeschränkt bereit sind, ihren Nachwuchs impfen zu lassen, auf drei bis fünf Prozent. "Es gibt viele Vorbehalte, denen besonders impfende Ärzte entgegentreten müssen."

Über die Notwendigkeit des Impfschutzes müsse "mehr und vor allem stetig informiert werden", fordert auch Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Die Arztpraxis sei dafür der ideale Ort. Die Ärzte sollten ihre Patienten nach deren Impfstatus fragen, "auch wenn das nicht der Grund des Arztbesuches ist", so Glasmacher. Es gehe nicht darum, "zu überreden, sondern Mütter und Väter sachlich zu informieren". RKI und BZgA unterstützen Ärzte bei dieser Aufgabe. Im Internet haben beide zahlreiche Informationen zum Thema Impfen für Fachleute und Laien zusammengestellt.

www.rki.de/impfeinwaende oder

www.kindergesundheit-info.de

[19.04.2009, 20:19:54]
Dr. Markus Kern  gesundsein@online.de
Impfkritiker werden noch nicht ernst genug genommen!
"Impfungen sind die im Kampf gegen Kinderkrankheiten effektivsten Präventionsmaßnahmen, die wir haben" - das wurde Ärzten im Studium gelehrt. Ob dies so verallgemeinert wirklich stimmt wurde nicht ernsthaft in Frage gestellt. Aber genau dies tun immer mehr Ärzte u. mitdenkende Patienten aus z.T. leidvoller Erfahrung der vermeintlich seltenen Impfkomplikationen.

Leider ist die Wirklichkeit nicht so schön, wie der Beitrag und der Kollege u. sogen. "DAK-Experte" im Beitrag suggerieren. Nebenwirkungen können ja nie wirklich zu 100% auf Impfungen zurückgeführt werden. Die Meldung eines Impfschadenverdachtsfalls ist im ärztlichen Alltag leider immer noch nicht die Regel.

Auch das RKI, das in seiner Geschichte sich auch Unrühmliches geleistet hat, (Stichwort 3. Reich) diskreditiert sich selbst in dem es wissenschaftlich nicht haltbare Aussagen aufstellt und hofft, dass das Publikum sich nicht die Zeit nimmt genau zu lesen.
Denn dann würde es offensichtlich, dass Fragen und Einwände von Kritikern nicht einmal in Gänze verstanden, geschweige denn annähernd vollständig beantwortet werden.

Verunsichert bin ich als Arzt, ob der zahlreichen Verflechtungen der STIKO-Mitglieder mit der Pharmaindustrie. Der Hinweis, dass Zell- u. Nervengifte, die den Impfstoffen beigefügt sind oder bis vor kurzem waren, dem Körper helfen sollen bzw. keinesfalls schaden, weil diese giftige Beimischungen unterhalb der Grenzwerte liegen, ist wissenschaftlich unhaltbar. Denn wer sich mit den letztlich auch politisch ausgehandelten Grenzwerten beschäftigt und gleichzeitig die komplexen Regulationsmechanismen unseres Organismus kennt, weiss um die Möglichkeiten von Nebenwirkungen, die zwangsläufig in Kauf zu nehmen sind, wenn Formaldehyd, Aluminium, Phenol oder Quecksilber, wenn auch in kleinsten Dosen, unserem Körper zugemutet werden.

Menschen sollten, hier stimme ich dem Autor des Artikels zu, mehr und umfassender informiert werden, bitte dann aber auch über mögliche Nebenwirkungen! Wer diese verschweigt oder sogar verleugnet, wie es z.T. offizielle Stellen tun, begeht Beihilfe zur Körperverletzung. Dass wir Ärzte etwas dazu lernen beweisen die unerwartet impfkritischen Töne der Dt. Gesellschaft für Allgemeinmedizin u. Familienmedizin (DEGAM), die jüngst als Empfehlungen veröffentlicht wurden.
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