Ärzte Zeitung, 11.05.2009

ARD-Bericht über Klinikapotheken erntet Kritik

NEU-ISENBURG (nös). Nach Krankenhausaufenthalten sollen oft angeblich besonders teure Medikamente verschrieben werden. Diesen Vorwurf hat zumindest das ARD-Magazin "Panorama" am vergangenen Donnerstag erhoben. Pharmafirmen würden mit ihrer "Vermarktungsmaschinerie" neue und wesentliche teurere Medikamente in die Krankenhäuser drücken, so die Kritik.

Die Firmen würden die teuren Präparate dafür zu symbolischen Ein-Euro-Beträgen an die Krankenhausapotheken verkaufen, erklärte ein Apotheker, der anonym bleiben wollte. Die Medikamente bekäme man quasi zum Nulltarif. Deswegen würden sich die Apotheken auch nicht wehren, so der Apotheker. Das Ziel dieser Dumping-Preise sei die Beeinflussung der ambulanten Verordnung im Nachhinein, erklärt eine - ebenfalls anonyme - "Insiderin" der Pharmaindustrie: "Die Klinik hat Vorbildfunktion für den niedergelassenen Bereich. Dann ist es sehr wichtig, dass die Patienten im Krankenhaus auf das Medikament eingestellt werden." Hunderte Millionen würden die Pharmafirmen mit dieser Praktik zusätzlich abkassieren.

Eher zurückhaltend zu diesen Vorwürfen äußerte sich in dem Beitrag die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD). Man bewege sich in einem Dunkelfeld, in dem der Gesetzgeber keine Möglichkeit habe, zu handeln: "Die Schwierigkeit ist die Kontrolle vor Ort".

Harsche Kritik an "Panorama" kommt unterdessen vom Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA). Die Behauptung seien unbewiesen und stellten die Situation stark verzerrt dar. "Anonyme Aussagen eines einzelnen Krankenhausapothekers sind nicht überzeugend", heißt es in einer Stellungnahme.

Tatsächlich verschweigt "Panorama" wesentliche gesetzliche Regelungen. So schreibt das SGB V seit einigen Jahren vor, dass Krankenhäuser für die ambulante Weiterbehandlung preisgünstigere Medikamente vorschlagen müssen, wenn es diese mit einer vergleichbaren pharmakologischen Wirkung gibt. Laut ADKA unterschlagen die Autoren außerdem, dass viele Krankenhäuser mit Leitsubstanzen arbeiten, die häufig bewährt und als Generika erhältlich sind. Zudem belege eine Studie der Apothekerkammer Niedersachsen, dass die ambulante Weiterverordnung weitgehend unbeeinflusst von der Versorgung in der Klinik bleibe.

Der NDR zeigte sich am Freitag gelassen. "Wir halten an der Berichterstattung fest", sagte eine Sprecher auf Anfrage. Die Autorin habe intensiv recherchiert und neben den gezeigten etliche weitere Personen interviewt, die ihr die Aussagen bestätigten.

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