Kongress, 28.05.2009

Forschung für den Arbeitsalltag - Deutschland holt auf

Neue medizinische Erkenntnisse werden häufig im Labor gefunden - und unter Laborbedingungen getestet. Die Wirksamkeit von Innovationen ist dann oft umstritten. Notwendig ist mehr Forschung für den Arbeitsalltag.

Forschung für den Arbeitsalltag - Deutschland holt auf

Adipositas - als Krankheit in Deutschland nicht anerkannt, aber eines der bedeutenden Gesundheitsrisiken.

Foto: Sheila Eames©www.fotolia.de

Ob eine Therapie wirksam ist, ist in der realen Versorgung von vielen Faktoren abhängig. Vom Alter und Geschlecht der Patienten, vom allgemeinen Gesundheitszustand, von Komorbiditäten, von sozialen, familiären und wirtschaftlichen Faktoren. All diese Determinanten fließen jedoch nicht in die Beurteilung einer Innovationen bei ihrer Marktzulassung ein, die es ohnehin in Bezug auf den Wirksamkeitsnachweis nur für Arzneimittel gibt.

Klinische Studien - nur begrenzt aussagefähig

Am Anfang steht - wenn überhaupt - zur Beurteilung der Wirksamkeit einer medizinischen Intervention die klinische Studie, am besten doppelblind und randomisiert. Charakteristisch dafür ist, dass alle Störgrößen, die im Versorgungsalltag auftreten können, eliminiert werden, und der "reine" Effekt einer Intervention oder der Unterschied zu einer Alternative festgestellt werden kann. Aufgrund einer solchen Laborsituation, bei der Störgrößen systematische eliminiert werden, kann es dazu kommen, dass die Wirksamkeit einer Intervention überschätzt wird, ebenso ihr Nutzengewinn gegenüber einer Alternative.

Andererseits bleiben aber bestimmte Aspekte, die in der Versorgungsrealität von großer Relevanz sind, in klinischen Studien unberücksichtigt. Meist ist die Compliance in einer Studie gut.

Im Alltag wird sie positiv oder negativ beeinflusst durch Nebenwirkungen, Einnahmehäufigkeit, Bequemlichkeit der Applikation, Verträglichkeit mit der Arbeitswelt oder der Mobilität. Nach eigenem Bekunden spielen diese Aspekte bei der Kosten-Nutzen-Bewertung, wie sie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen in Zukunft durchführen soll, keine Rolle, wie dessen Leiter Professor Peter Sawicki jüngst vor Journalisten in Köln sagte. "Der Compliance messen wir keine große Bedeutung bei", so Sawicki.

Familie, Arbeit, Sozialstatus bestimmen Gesundheit

Eine völlig andere Auffassung vertritt dagegen der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen. Bereits vor einigen Jahren hat er darauf hingewiesen, dass mangelnde Persistenz der Ärzte in ihrem Therapieverhalten und fehlende Compliance der Patienten wahrscheinlich die wichtigsten Ursachen für Verschwendung sind.

Dies zu berücksichtigen, erfordert Versorgungsforschung, bei der zu allererst die Bedürfnisse von Patienten, ihre Präferenzen und Aversionen einbezogen werden müssten. Immer noch wird der Erfolg einer Therapie häufig bemessen nach Kriterien, die die medizinische Fachwelt für wesentlich hält, die aber von Patienten ganz anders gewichtet werden.

Hinzu kommt: wie gesund die Bürger eines Landes sind, hängt nicht allein mit der Güte des Medizinsystems und den dafür zur Verfügung stehenden Ressourcen ab, sondern vom wirtschaftlichen und sozialen Status seiner Bürger. Je nach Region gelten zwischen 8 und 20 Prozent der Bevölkerung hoch gefährdet, weil sich bei ihnen niedrige Bildung, Arbeitslosigkeit, Armut, schlechter Zugang zu Medizin und Krankheitsrisiken kumulieren.

Die Risikofaktoren lassen sich auf die Generation der Kinder übertragen. Der Kinder- und Jugendgesundheits-Survey (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts liefert dazu eindrucksvolle Daten.

Versorgungsforschung leicht gemacht
28. Mai, 9.00  - 10.30 Uhr, ICC-Lounge

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