Ärzte Zeitung, 29.05.2009

Naturheilkunde soll Migräne-Patienten helfen

Die Barmer hat einen Vertrag zur integrierten Versorgung geschlossen, der schulmedizinische und naturheilkundliche Verfahren kombiniert.

Von Ilse Schlingensiepen

Migräne-Attacken: Viele Betroffene erhalten Triptane.

Foto: zornig©www.fototlia.de

ESSEN. Der Vertrag richtet sich an Patienten, die an Migräne und chronischen Kopfschmerzen leiden. Vertragspartner der Barmer ist die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte.

Sie bindet niedergelassene Hausärzte und Neurologen in die Behandlung ein. "Die Kombination aus Schulmedizin und Naturheilkunde bietet die Chance, den Teufelskreis aus oft jahrelanger Tabletteneinnahme mit vielen Nebenwirkungen zu durchbrechen, die Anzahl der Kopfschmerzattacken zu reduzieren und ein neues Leben mit weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität zu beginnen", sagt Birgit Fischer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer. Mit diesem Angebot komme die Barmer dem Wunsch vieler Versicherter entgegen.

Teilnehmen können Patienten, die seit mehr als sechs Monaten unter Migräne oder anderen chronischen Kopfschmerzen leiden und an mehr als fünf Tagen pro Monat behandlungsbedürftige Kopfschmerzen haben oder monatlich mehr als zehn Triptane einnehmen müssen.

Die Klinik bietet diesen Patienten eine individuell auf sie abgestimmte Therapie, die je nach Bedarf stationär, teilstationär oder ambulant erfolgt. Ein wichtiges Element sei dabei auch die langfristige Änderung des Lebensstils, sagt Klinikleiter Professor Gustav Dobos. "Unser Ziel ist es, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und damit die Anzahl der Kopfschmerzattacken nachhaltig zu reduzieren."

Bislang machen 15 Niedergelassene bei dem BarmerVertrag mit.

Für die Behandlung erhält das Krankenhaus von der Barmer eine Komplexpauschale, die in der Höhe von den gewählten Behandlungsmodulen abhängt. Die Klinik bezahlt von der Pauschale die teilnehmenden Niedergelassenen, die Höhe der Vergütung ist dabei vertraglich geregelt. Die Hausärzte und Neurologen erhalten etwa für das Screening, ob Patienten für die Teilnahme geeignet sind, 30 Euro. Die Niedergelassenen können außer der Diagnostik auch die Begleitung der Patienten nach der Behandlung in der Klinik übernehmen.

Bislang beteiligen sich rund 15 Niedergelassene, die bereits über einen gemeinsamen Qualitätszirkel mit dem Haus kooperieren. "Teilnehmen können alle Hausärzte und Neurologen", betont Karsten Menn, Leiter der Vertragsabteilung der Barmer Nordrhein. Voraussetzung sei die Beteiligung an gemeinsamen qualitätssichernden Maßnahmen.

Nach Angaben von Menn gibt es allein in Essen rund 2000 Versicherte der Barmer, die aufgrund ihres hohen Triptan-Gebrauchs für eine Teilnahme an dem Integrationsvertrag in Frage kämen.

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