Ärzte Zeitung, 04.06.2009

Aufklärungskampagne über K.O.-Tropfen gestartet

Allein in der Kieler Rechtsmedizin wurden im vergangenen Jahr 29 Fälle registriert / Hohe Dunkelziffer

KIEL (di). Immer häufiger werden Menschen mit so genannten K.O.-Tropfen willenlos gemacht. Im Norden startet nun eine Aufklärungskampagne.

Foto: womue ©www.fotolia.de

Sie wachen oft unbekleidet auf und wissen nicht, wie sie an den Ort gelangt sind. An Tatspuren und Unterleibsschmerzen spüren sie, dass etwas passiert sein muss - können sich aber nicht erinnern.

Mit einem solchen Filmriss wendeten sich in den vergangenen Jahren viele Frauen und Mädchen an die Frauennotrufe in Schleswig-Holstein. Oft stecken K.O.-Tropfen dahinter. Hinter den häufig sexuell motivierten Straftaten stecken fremde Täter in Diskotheken oder auf Volksfesten, aber zunehmend auch Bekannte.

"Jeder sollte sich bewusst sein, dass es diese Gefahr gibt. Erhöhte Aufmerksamkeit innerhalb einer Clique, aber auch beim Genuss von Getränken können helfen, solche Taten zu verhindern", sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Dr. Gitta Trauernicht beim Start der Kampagne in Kiel. Auch Ärzte sollen für das Problem sensibilisiert werden. Sie erhalten Kittelkarten, damit sie anhand der Symptomatik auf die Verabreichung von K.O.-Tropfen schließen und entsprechend reagieren können.

Justizminister Uwe Döring verwies bei der Vorstellung der Kampagne auf die wichtige Rolle der Ärzte, damit Blut- und Urinproben der Opfer schnell sichergestellt werden. Dies sei wichtig, um sie anschließend vor Gericht als Beweis einsetzen zu können, so der Minister. Die Tropfen sind bis circa sechs Stunden nach der Einnahme im Blut und circa zwölf Stunden im Urin nachweisbar.

Die Landsregierung im Norden hat für die Kampagne den Rat für Kriminalitätsverhütung und die Frauennotrufe ins Boot geholt. Die Kampagne soll die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und zugleich eine schnellere Hilfe für die Opfer ermöglichen. Das Problem wird auf Flyern beschrieben, die unter anderem in Kneipen und Discos ausliegen. Darauf sind auch Telefonnummern vermerkt, unter denen Betroffene Hilfe erhalten.

Im vergangenen Jahr wurden in der Kieler Rechtsmedizin in 29 überprüften Fällen K.O.-Tropfen festgestellt. Die Initiatoren der Kampagne gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus. "Viele Opfer erinnern sich nicht an den Ablauf der Tat oder haben nicht den Mut, zur Polizei zu gehen", sagte Döring. Die Initiatoren empfehlen, im Verdachtsfall sofort den ärztlichen Notdienst einzuschalten. Die Wirkung der Tropfen kann individuell sehr unterschiedlich sein.

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