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Ein Blick in Deutschlands Universitätskliniken macht deutlich: Der Arztberuf wird weiblich. Doch die einstige Männerdomäne hat sich darauf noch nicht nachhaltig eingestellt. In der Kritik: Probleme bei der Weiterbildung und männliches Machtgehabe.

Von Bülent Erdogan

Deutschlands Frauen drängen mit Macht in die Nachfolge des Hippokrates: 60 Prozent der Berufseinsteiger in die Medizin sind inzwischen weiblich, bei den Studenten beträgt der Anteil bis zu 70 Prozent. Und dennoch ist eine erfolgreiche, langjährige Arztkarriere für viele Frauen immer noch keine Selbstverständlichkeit, sagte Dr. Elke Bukisch-Urbanke, Vorsitzende des Marburger Bundes (MB) in Niedersachsen, beim "Tag der Niedergelassenen" auf dem Hauptstadtkongress in Berlin.

Zwar seien Studium und Berufseinstieg per se heute keine Hürde mehr für Frauen. Allerdings hapere es mit der Spezialisierung, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf - und damit von stabilen Karriereverläufen, sagte Bukisch-Urbanke. So habe der Anteil der Ärztinnen ohne Gebietsbezeichnung 2007 bei 40 Prozent gelegen, weil viele Medizinerinnen Probleme hätten, die Weiterbildung komplett und strukturiert zu durchlaufen. Oft würden Medizinerinnen nur als Lückenfüller betrachtet, kritisierte sie.

Viele Frauen an Kliniken seien zudem auf Teilzeittätigkeiten oder eine Kernarbeitszeit von höchstens 40 Wochenstunden angewiesen, so die MB-Funktionärin. Von vielen Chefärzten werde eine Teilzeittätigkeit jedoch nach wie vor abgelehnt. Abschreckend für eine langfristige Tätigkeit in der Klinik wirke auf Frauen auch der teilweise harsche Ton und das demonstrative Machtgehabe von Chefs. Bei all diesen Widrigkeiten kommt es laut Bukisch-Urbanke daher darauf an, dass Frauen ihre ärztliche Karriere akribisch planen und Netzwerke bilden.

Otto: "Gesundheit ist kein Markt für hohe Renditen."

Nach Auffassung von Dr. Wolfram Otto, Gründer des Polikums in Berlin, einer Kette von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), steht der Arztberuf vor einer tief greifenden Konsolidierung, wie sie zuvor schon Juristen und Wirtschaftsprüfer erlebt haben. Allerdings muss dieser Wandel Otto zufolge nicht zwangsläufig mit einem Verschwinden der Arztpraxis um die Ecke verbunden sein: Vielmehr entstünden für Mediziner zusätzlich zu den derzeit vorherrschenden Tätigkeiten in Klinik, Niederlassung sowie nicht-ärztlichen Berufen neue Arbeitsfelder, sagte er. Damit meint Otto angestellte MVZ-Ärzte, Leiter von MVZ oder Netzmanager.

Dass angestellte Mediziner Therapieoptionen verschweigen oder verkürzen, um versprochene Boni nicht zu gefährden, glaubt Otto nicht. Ein niedergelassener Arzt mit sechsstelligen Schulden für die gerade erworbene Praxis stehe unter einem viel größeren Druck als ein angestellter Arzt ohne jedes wirtschaftliche Risiko.

Auch sei es gar nicht möglich, die therapeutische Freiheit des Arztes aus wirtschaftlichen Gründen zu beeinflussen, da die Mediziner angesichts des eklatanten Ärztemangels am längeren Hebel säßen. Strukturen wie MVZ erlaubten es den Medizinern derweil, mehr Zeit am Patienten zu verbringen, so Otto.

Wer glaube, mit Patienten den höchst möglichen Profit machen zu können, habe vielleicht kurzfristig Erfolg, sicher aber nicht langfristig. "Gesundheit ist kein Hochrenditemarkt", sagte Otto.

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