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Ärzte Zeitung, 22.06.2009

Honorarreform bläht die KV-Verwaltung auf

In Westfalen-Lippe belaufen sich die zusätzlichen Verwaltungskosten auf bis zu 1,3 Millionen Euro / Zahl der Einsprüche explodiert

MÜNSTER (akr). Die Honorarreform für die niedergelassenen Ärzte erweist sich als unfreiwilliges Arbeitsbeschaffungsprogramm.

Die KV Westfalen-Lippe (KVWL) muss wegen der drastisch steigenden Zahl der Einsprüche von Medizinern gegen Abrechnungsbescheide das Personal für diesen Bereich erheblich aufstocken. Auf Grundlage der bisherigen Eingänge rechnet die KVWL für das Jahr 2009 mit insgesamt 37 000 zusätzlichen Vorgängen in Bezug auf die Honorarabrechnung. "Das ist das Vier- bis Fünffache dessen, was wir in einem normalen Jahr bearbeiten müssen", sagte KVWL-Geschäftsführer Dr. Thomas Kriedel bei der Vertreterversammlung (VV) in Münster. Von den zusätzlichen Vorgängen sind allein 20 000 Widersprüche und Anträge zu Regelleistungsvolumina (RLV).

Niedergelassene Mediziner in Westfalen-Lippe müssen anders als in anderen KV-Bezirken für Widersprüche keine Gebühren zahlen. Das Stellensoll für diesen Bereich liegt zurzeit bei 24 Beschäftigten. "Zur Bearbeitung aller Vorgänge innerhalb eines Jahres sind rund 30 zusätzliche Mitarbeiter erforderlich", sagte Kriedel. "Wir werden kaum dazu in der Lage sein, kurzfristig so viele qualifizierte Mitarbeiter zu finden." Deshalb werde die KVWL sowohl neues Personal suchen als auch ein Kaskadenmodell anwenden. Dabei kümmern sich die qualifizierten Beschäftigten vor allem um die inhaltlichen Aspekte der Anträge, Vor- und Nachbearbeitung erledigen andere.

Durch die Honorarreform steigt auch der IT-Bedarf. Dafür muss die KVWL 200 000 Euro zusätzlich aufbringen. Kriedel geht davon aus, dass die Mehrausgaben durch die Neuordnung der Vergütung insgesamt bis zu 1,35 Millionen Euro betragen. Wenn Kosten wie diese durch die Politik oder die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verursacht werden, müssten die westfälisch-lippischen Ärzte dieses Geld dort einfordern oder vom Beitrag für die KBV abziehen, verlangte der NAV-Landesvorsitzende Dr. Martin Junker. Einen entsprechenden Antrag des Allgemeinmediziners Dr. Wolfgang Ermes lehnte die VV allerdings ab.

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