Ärzte Zeitung, 21.07.2009

Gesundheitsexperten fordern Roadmap für Prävention

Präventionspogramme müssen besser auf ihre "Zielkunden" zugeschnitten werden, so eine aktuelle Studie.

Von Thomas Hommel

BERLIN. In Sachen Prävention und gesunde Lebensweise haben die Deutschen großen Nachholbedarf. Dies belegt eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger unter 1000 Bundesbürgern. Demnach führen 30 Prozent der Erwachsenen einen ungesunden Lebensstil: Sie essen zu fett, rauchen zu viel und bewegen sich deutlich zu wenig. "Die Studie zeigt zwei klare Tendenzen", sagte der Leiter des Kompetenzzentrums Healthcare bei Roland Berger, Dr. Joachim Kartte. Männer lebten ungesünder als Frauen. Von den besonders ungesund Lebenden seien zwei Drittel Männer. Und: "Ein niedriger Bildungsabschluss erhöht das Risiko für Adipositas und ungesundes Verhalten deutlich", betonte Kartte. Bei Personen mit Hauptschulabschluss komme Fettleibigkeit im Vergleich zu Akademikern mehr als doppelt so oft vor. "Beim Faktor Einkommen lässt sich dieser Zusammenhang nicht feststellen." Dies zeige, so Kartte, "dass Bildung ein Schlüssel sei, um die negativen Folgen eines niedrigen sozialen Status auf die Gesundheit abzufedern".

Kartte wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es in Deutschland derzeit zahlreiche Präventionsprogramme gebe. "Allerdings wurde bislang keine echte Zielgruppenanalyse durchgeführt." Vorhandene Angebote zur Gesundheitsvorsorge erreichten die wenig motivierten Menschen nur selten. Aber nur wenn die "Zielkunden" erreichbar seien, könne Vorsorge funktionieren.

Die Studie grenze daher die Gruppen ein, bei denen Prävention besonders nötig ist und definiere die Orte, an denen sie gut erreicht werden können, sagte der Gesundheitsexperte Karsten Neumann. Kranke etwa ließen sich optimal in der Arztpraxis ansprechen, Gesunde erreiche man am besten am Arbeitsplatz. Ärzte und Unternehmen seien "ideale Präventionskanäle".

Aufgabe der Politik sei es, einen Handlungsrahmen für Prävention zu erarbeiten und für eine solide Finanzierung zu sorgen, so die Experten. Gefordert seien hier mehrere Ressorts: Das Bundesgesundheitsministerium müsse eine übergeordnete Präventionsstrategie entwickeln, das Verbraucherschutzministerium Ernährung als zentrale Präventionssäule fördern, das Forschungsministerium Projekte zur Versorgungsforschung vorantreiben und das Wirtschaftsministerium private Anbieter von Prävention unterstützen.

Die große Koalition war 2005 mit dem Ziel angetreten, ein Präventionsgesetz zu verabschieden. Pläne dafür wurden aber immer wieder auf Eis gelegt, da sich Union und SPD nicht über Organisation und Finanzierung einigen konnten.

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