Ärzte Zeitung, 04.08.2009

"Wir wollen Politik für Patienten machen!"

Sie setzen auf Veränderung: Niedergelassene Ärzte aus Witten treten mit weiteren Mitstreitern bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen Ende August als "Bürger Forum Witten" an.

Von Anja Krüger

"Ein Weg aus derOhnmacht ist,allgemeinpolitischtätig zu werden."
Dr. Kurt-Martin SchmelzerAllgemeinarzt, Spitzenkandidat einer Wittener Liste bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen

WITTEN.Die Ärzte im "Bürger Forum Witten" haben ehrgeizige Ziele: Sie hoffen, dass mehr Kollegen politisch aktiv werden. "Überall versucht man, uns Ärzte in Misskredit zu bringen. Wir merken immer mehr unsere Ohnmacht", sagt der Allgemeinmediziner Dr. Kurt-Martin Schmelzer, der Spitzenkandidat des Forums. "Ein Weg aus der Ohnmacht ist, allgemeinpolitisch tätig zu werden." Die Liste für die Kommunalwahl hat Schmelzer gemeinsam mit Kollegen gegründet. "Wir hoffen, dass wir ein Exempel statuieren", sagt Schmelzer. Unter dem Dach des Bürger Forums kandidieren neun niedergelassene Haus- und Fachärzte und 16 weitere Personen, darunter Lehrer und Architekten.

Die Mediziner und ihre Mitstreiter setzen sich für mehr bürgerschaftliches Engagement ein. "Wir wollen die politikverdrossenen Kräfte aktivieren", sagt Schmelzer. So will das Bürger Forum eine Kommunikationsplattform für Kreative schaffen, die gemeinsam nach unkomplizierten Lösungen für die Probleme in der Region suchen.

Für die Ärzte ist die kommunale Gesundheitspolitik ein wichtiges Thema. "Wir wollen vor Ort Politik für unsere Patienten machen", sagt Schmelzer. Großen Raum nimmt die Stärkung der Präventivmedizin ein. Dazu gehören klassische kommunalpolitische Themen wie die Pflege und der Ausbau von Radwegen. "Es darf nicht sein, dass Schwimmbäder geschlossen werden", sagt Schmelzer. Hier könnte eine Lösung sein, das Fehlen von Bädern mit der Öffnung privater Einrichtungen zu kompensieren. "Es kommt einfach darauf an, nach kreativen Lösungen zu suchen", betont er. Ärzte kennen durch den ständigen Patientenkontakt viele Probleme. "Wir sind durch unsere Arbeit bürgernah", sagt er.

Die Patienten der kandidierenden Mediziner reagieren Schmelzer zufolge positiv auf das kommunalpolitische Engagement ihrer Ärzte. "Die Politiker sind irritiert, dass wir aus unserem Biotop herauskommen", berichtet er.

Im Wahlkampf hinkt das Bürger Form den Wettbewerbern noch etwas hinterher. "Die Parteien haben ja schon Plakatwände angemietet, als wir noch nicht einmal gegründet waren", sagt er. Das Bürger Forum Witten hat eigene Flugblätter, bald einen Internet-Auftritt und mittlerweile eigene Plakate. "Wir müssen erst mal sehen, wo wir die überhaupt noch aufhängen können", sagt er. "Wir sind ja noch Greenhorns."

In einem ist der Arzt aber schon ganz Polit-Profi: Eine Prognose über den Ausgang der Wahl für seine Liste will er nicht abgeben. Die Chancen, dass zumindest Spitzenkandidat Schmelzer in den Rat einziehen wird, stehen nicht schlecht. In NRW gibt es bei den Kommunalwahlen keine Fünf-Prozent-Hürde. Das reizt aber auch andere. Mit den etablierten Parteien kandidieren in Witten insgesamt elf Listen.

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