Ärzte Zeitung, 26.10.2009

Winn sieht in Schwarz-Gelb keine Freunde

Die Vereinbarungen von Union und FDP in der Gesundheitspolitik gehen dem Hartmannbund (HB) nicht weit genug. Besonders enttäuscht zeigte sich HB-Chef Kuno Winn auf der Hauptversammlung darüber, dass die Kostenerstattung weiter ein Schattendasein führen dürfte.

Von Bülent Erdogan

Winn sieht in Schwarz-Gelb keine Freunde

"Was der ADAC für den Autofahrer ist, das müssen wir für die Ärzte sein." Kuno Winn Vorsitzender des Hartmannbundes

BERLIN. Der neue und alte Chef des Hartmannbundes (HB), Professor Kuno Winn, hat sich enttäuscht über die Koalitionsvereinbarungen von Schwarz-Gelb in der Gesundheitspolitik geäußert. Sollte es in den kommenden Wochen und Monaten nicht zu substanziellen Reformen im Sinne der Ärzteschaft kommen, drohte er mit Aktionen seines Verbandes, die bis hin zu Protesten reichen könnten. "Da kennen wir keine Freunde!", sagte Winn auf der Hauptversammlung seines Verbandes am Freitag in Potsdam vor allem an die Adresse der Liberalen. Winn stellte sich am Sonntag zur Wiederwahl. Die Ärzteschaft habe sich vehement für eine Regierungsbeteiligung der FDP eingesetzt. Leider könne aber von einer Generalsanierung des Gesundheitssystems vorerst keine Rede sein. So kritisierte er, dass sich die Koalition lediglich auf eine "Stärkung" der Kostenerstattung geeinigt habe. Nach dem Willen des HB soll die Kostenerstattung das Sachleistungsprinzip ablösen.

Zudem, so Winn, ignoriere Schwarz-Gelb die Notwendigkeit, die Beiträge konsequent von Löhnen und Gehältern zu entkoppeln. Dabei vermisst er auch eine Einführung kapitalgedeckter Elemente in die GKV. "Darauf haben wir nicht gewettet! Das ist nicht das, was wir erwarten", sagte er. Scharfe Kritik richtete Winn auch an den Deutschen Hausärzteverband und dessen Sonderstellung bei Hausarztverträgen. So würden Ärzte, die sich nicht einschreiben wollten, vom Hausärzteverband bedrängt. Dabei seien die Erfolge des Verbands ganz wesentlich auf die von Schwarz-Rot gewährte "Monopolstellung" zurückzuführen. Der "geradezu missionarische Eifer", mit dem die Verantwortlichen ihre Sache verfolgten, sei besorgniserregend und werde zu einer weiteren Spaltung der Ärzteschaft führen.

Nach den Worten des HB-Chefs konnte der Hartmannbund die Abwärtsentwicklung bei der Mitgliederzahl inzwischen durchbrechen und sogar umkehren. Ein Grund ist offenbar eine hohe Zahl an Eintritten von Medizinstudenten. Auch finanziell hatte Winn positive Nachrichten im Gepäck: "Der Verband verfügt erstmals seit Jahren wieder über Rücklagen in Höhe eines Jahresbeitragsvolumens." Die Landesverbände hätten Reserven in Höhe eines Jahresverwaltungshaushaltes bilden können, sagte er. "Was der ADAC für den Autofahrer ist, das müssen wir für die Ärzte sein: Politisches Sprachrohr, vor allem aber auch Helfer in individueller Not", beschrieb Winn das Selbstverständnis seines Verbandes.

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