Es geht nicht um Schuldige, sondern um Verbesserungen

Mehr Sicherheit für Patienten - wie kann das funktionieren? Die Kammer Bayern hat zum Seminar geladen.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:

MÜNCHEN Für eine "positive Fehlerkultur" im Gesundheitswesen hat sich der Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), Dr. Klaus Ottmann, in München ausgesprochen. Die Ärzte hätten zwar den Anspruch, keine Fehler zu machen. Tatsächlich sei die Medizin jedoch ein "Hochrisikobereich", erläuterte Ottmann bei einem Tagesseminar der Ärztekammer zum Thema "Patientensicherheit". Ziel müsse es daher sein, die Zahl der Fehler soweit wie nur möglich zu minimieren.

Nicht die Suche nach Schuldigen sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten, indem man aus Fehlern oder Beinahe-Fehlern lernt, erklärte Ottmann. Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern leisteten dafür einen unverzichtbaren Beitrag.

Nachdem die Gutachterstelle der BLÄK sich vor Jahren mehrfach mit Fällen beschäftigen musste, in denen eine Sectio zu spät eingeleitet wurde, habe man zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) eine Leitlinie mit einem Ablaufschema entwickelt, berichtete Professor Dietrich Berg, Vorsitzender der Gutachterstelle. Für die Organisation einer Notsectio im Kreißsaal gebe es jetzt klare Anleitungen.

Durch die Auswertung der Gutachterverfahren sei es möglich, typische Behandlungsfehler und Fehler in der Organisation zu entdecken, erläuterte Berg. Solche Erkenntnisse seien dann auch in die Fortbildung der Ärzte eingeflossen. "Jeder Fehler ist ein Schatz, der gehoben werden muss", so sein Resümee.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) in Bayern werde künftig auch Konzepte zur Vermeidung von Behandlungsfehlern entwickeln, kündigte dessen Geschäftsführer Reiner Kasperbauer an. Der Hintergrund: Seit Jahren steige die Zahl der Prüfaufträge beim MDK im Zusammenhang mit dem Vorwurf von Behandlungsfehlern.

Oftmals würden die Verfahren von Patienten ausgelöst. Aber auch die Krankenkassen stellten zunehmend häufiger Prüfanträge etwa nach einer erneuten stationären Aufnahme wegen derselben Erkrankung. Darüber hinaus gebe es zunehmend auch in nicht-operativen Fächern Behandlungsfehlervorwürfe, berichtete Kasperbauer. Der MDK setze auf eine enge Zusammenarbeit auch mit der Gutachterstelle der Kammer Bayern, erklärte er.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Lesetipps
Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert