Ärzte Zeitung, 05.11.2009

Viele Bürger gehen krank zur Arbeit

Wissenschaftliches Institut der AOK legt Fehlzeiten-Report vor / Ärzte-Rat wird immer häufiger ignoriert

BERLIN (dpa). Bundesbürger schleppen sich immer häufiger krank zur Arbeit. Gleichzeitig sind aber auch die Fehlzeiten wegen Krankheit leicht gestiegen.

Beschäftigte leiden dabei in steigendem Maß unter oft langwierigen psychischen Krankheiten, wie aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Fehlzeiten-Report 2009 des wissenschaftlichen Instituts der AOK hervorgeht.

Mehr als 71 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind binnen eines Jahres mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen. Rund 30 Prozent erschienen sogar gegen den ausdrücklichen Rat ihres Arztes am Arbeitsplatz. Arbeitsplatzabbau, steigender Druck im Betrieb, die Wirtschaftskrise aber auch steigende Verantwortung in kleineren Teams seien die Hauptgründe, sagte der VizeGeschäftsführer des Instituts, Helmut Schröder, in Berlin.

Vor allem die zahlreichen Arbeitnehmer, die sich zur Arbeit schleppen, obwohl ihr Arzt sie krankschreiben will, machen Schröder Sorgen. "Ein Arzt schreibt niemanden leichtfertig krank", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Wer trotz akuter Leiden arbeiten gehe, werde statistisch gesehen längerfristig häufiger krank und müsse früher in Rente.

Zentrale Motive für krank zur Arbeit gehende Beschäftigte sind der Studie zufolge bei rund 30 Prozent, dass andernfalls zu viel Arbeit liegen bleibt. Rund 20 Prozent gaben Angst vor Arbeitsplatzverlust an. Jeder Zehnte wollte Ärger mit Kollegen vermeiden. Repräsentativ befragt wurden von einem Umfragezentrum der Uni Duisburg/Essen rund 2000 gesetzlich versicherte Arbeitnehmer.

Zugleich nahmen aber auch die krankheitsbedingten Fehlzeiten bei der AOK zu. Die 9,7 Millionen AOK-Versicherten waren im vorigen Jahr im Schnitt 17 Tage krankgeschrieben - nach 16,3 Tagen im Jahr davor. Die längsten Ausfallzeiten gingen mit im Schnitt 22,5 Tagen auf psychische Erkrankungen zurück.

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