Ärzte Zeitung, 23.11.2009

Schweinegrippe: Wie Ärzte-Funktionäre Bürger verunsichern

Impfen oder Nicht-Impfen? Über die Verunsicherung der Patienten können Ärzte ein Lied singen. Zur Verwirrung in der Meinungsbildung über die Medien trugen auch die Ärztefunktionäre maßgeblich bei.

Von Rebecca Beerheide

H1N1-Kakophonie in allen Blättern: Wie Ärzte-Funktionäre Bürger verunsichern

Foto: Thomas Graf ©www.fotolia.de

Täglich grüßt die Schlagzeile auf der größten deutschen Boulevardzeitung: "So qualvoll starb die 15-Jährige" oder "Experte erwartet 35 000 Grippetote" - zur verkaufsträchtigen Überschrift kommen im Innenteil der Zeitung Tipps "der deutschen Chefärzte". Erstaunlicherweise sagte nur einer von ihnen Mitte Oktober "nein" zur Impfung.

Doch trotz der auflagenstarken Werbung für die Impfung haben es Befürworter schwer gegen ihre "Gegner". Zu den Skeptikern gehört Dr. Günther Jonitz, Präsident der Landesärztekammer Berlin. In Boulevardzeitungen und auch in Fernsehsendungen sprach er sich gegen die Impfung aus. Auch auf der Hauptversammlung des Marburger Bundes vor zwei Wochen setzte er sich für ein klares Statement gegen die Impfung ein – letztendlich konnte sich der Verband aber nicht zu einer gemeinsamen Erklärung durchringen. Der Marburger Bund als größter Ärzteverband Europas hat als keine offizielle Meinung zur Impfung.

Zur Verunsicherung tragen aber auch Wissenschaftler bei, so etwa Professor Michael Kochen, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin in einem Zeitungsinterview mit der "Welt" Anfang November: Er lasse sich nicht impfen, obwohl er eigentlich ein Impfbefürworter sei.

Auch der Vizepräsident der Bundesärztekammer (BÄK), der Radiologe Dr. Frank Ulrich Montgomery, sagte im Oktober, er halte die Impfung "für nicht absolut notwendig".

Wenig später kritisiert der Vorsitzende des Berufsverbandes der Internisten, Dr. Wolfgang Wesiack, die Ärzte als schlechte Vorbilder: "Wenn sich Ärzte nicht impfen lassen, kann man nicht erwarten, dass die Bevölkerung sich mehrheitlich impfen lässt", so Wesiack.

Vor wenigen Tagen rief schließlich er Präsident der BÄK, Professor Jörg-Dietrich Hoppe, die Ärzte dazu auf, sich impfen zu lassen. "Ärzte tragen besondere Verantwortung dafür, dass sich der Virus nicht ungebremst ausbreitet." Zwischenzeitlich änderte Montgomery seine Meinung und befürwortete aus "bevölkerungsmedizinischen Gründen" die Impfung.

Eine zusätzliche Verunsicherung entstand Mitte Oktober: Da wurde bekannt, dass die Bundeswehr und Bundesministerien den Impfstoff Celvapan beim US-Hersteller Baxter bestellt hatten. Dass diese Bestellung aus alten Vorverträgen stammte, dafür interessierte sich niemand. Verständlich, war doch bereits vorher über die mögliche negative Wirkung der Adjuvantien in dem für die Bevölkerung bestellten Impfstoff Pandemrix diskutiert worden. Dazu sagte Montgomery in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau": "Der Massenimpfstoff ist vor allem nicht so umfassend getestet wie die traditionellen Mittel ohne Wirkverstärker." Im gleichen Interview fügte hinzu, dass die Politik mit der Bestellung eines anderen Impfstoffes "für gewisse Kreise" ein Chaos angerichtet habe. "Ich bin über das Kommunikationsverhalten entsetzt", sagte Montgomery der "Berliner Zeitung".

Er hätte aber auch sich selbst meinen können: Wenige Tage schlug er vor, den Impfstoff für Soldaten besser an Kinder und Schwangere zu geben. Heftige Reaktionen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte waren die Folge: "Dieses Serum wurde bisher weder an Kindern noch an Schwangeren getestet", so Professor Fred Zepp, Direktor der Uni-Kinder-Klinik Mainz.

Fazit: Hohe Ärztefunktionäre haben - ohne Fachleute zu sein - erheblich zur Verunsicherung von Kollegen und Patienten beigetragen. Eine professionelle Abstimmung mit den Fachgremien der Bundesärztekammer und den Wissenschaftlern des Robert-Koch-Instituts oder der Impfkommission hat offenbar nicht stattgefunden.

Die Meinung der Fachinstitutionen zur Schweinegrippe-Impfung

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft ist das Fachgremium der Bundesärztekammer für alle Fragen der Arzneimitteltherapie und -sicherheit. Im September verlangte die Kommission, dass Schwangere und Kinder nach der Impfung überwacht werden müssen, da Kenntnisse über die Impfung noch sehr eingeschränkt seien.

www.akdae.de

Die Ständige Impfkommission (STIKO), angesiedelt am RKI, empfiehlt die Impfung vordringlich für Risikogruppen, da diese erheblich schwerere Verläufe der Grippe zeigen. Auch sollen Mitarbeiter im Gesundheitswesen verstärkt geimpft werden. Das 17-köpfige Gremium sieht keine starken Nebenwirkungen beim Impfstoff Pandemrix.

http://tinyurl.com/yzlojoy

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das zum Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums gehört, sagt: "Alle bisher vorliegenden Daten aus den verschiedenen Staaten zeigen, dass das pandemische H1N1-Virus, bei schwangeren Frauen zu schweren Erkrankungen, Komplikationen und auch auffällig vielen Todesfällen führt."

www.pei.de

Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht die Schutzimpfung als "wirksamste präventive Maßnahme". Jeder Bürger sollte die Möglichkeit einer Impfung gegen H1N1 haben. Geimpft werden zunächst Risikogruppen wie chronisch Kranke ab sechs Jahren, Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Polizei, Feuerwehr und Schwangere.

www.rki.de

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[26.11.2009, 10:51:41]
Annette Mende 
Einige wissen es besser
Per Mail erreichte uns folgender Leserkommentar von Siegfried Knobloch aus Kernen-Stetten:

"Ihre Zeitung sprach von Kakophonie = Vielstimmigkeit im Umgang mit H1N1-Impfungen. Irrtum: es handelt sich um eine wunderschöne, leider nur von wenigen verstandene Symphonie. Wo Fachinstitute zur Impfung aufrufen, wo die WHO vor einer Pandemie warnt, wissen es einige besser. Herausragende Größen wie Prof. Michael Kochen als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin sprechen sich gegen die Massenimpfung aus. Sie zeigen damit die Überflüssigkeit wissenschaftlicher Institutionen wie dem Robert-Koch-Institut, Paul-Ehrlich-Institut, der Ständigen Impfkommission und der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. Vor allem eines überzeugt: der mögliche Spareffekt im Gesundheitswesen. Schade nur, dass Leute wie Prof. Kochen am falschen Platz sitzen. Immerhin beansprucht er doch ohne eigene immunologische Forschung ein Wissen, das demjenigen der Chefs der vorgenannten Institutionen überlegen ist."

Anm. d. Red.: Die Überschrift in der gedruckten Ausgabe der "Ärzte Zeitung" lautete "H1N1-Kakophonie in allen Blättern: Wie Ärzte-Funktionäre Bürger verunsichern" zum Beitrag »
[23.11.2009, 13:06:34]
Wilfried Soddemann 
Schweinegrippe durch Trinkwasser übertragen!
Bis zu 30.000 Influenza-Tote je winterliche Influenza-Saison sind gelogen. Nach dem Statistischen Bundesamt gibt es in Deutschland nur wenige labordiagnostisch nachgewiesene Grippetoten. Hohe Zahlungen sollen Panik verursachen und sind aggressive Werbung für Impfstoffe und Grippemittel wie Tamiflu. Ist da Korruption im Spiel? Der Schnelltest kostet 15 Euro und kann in jeder Arztpraxis in 20 Minuten leicht durchgeführt werden.

Aber: Die H1N1 Schweinegrippe ist wie jede Influenza eine Zoonose und geht zwischen Menschen und Tieren hin und her. Das Vehikel ist unser Wasser:

Schweinegrippe und saisonale Influenza werden primär durch unser Trinkwasser ausgelöst.

Schweinegrippe ist unter Menschen ansteckend, sekundär. Influenza wird aber primär durch kaltes Trinkwasser ausgelöst. Menschen scheiden das Schweinegrippevirus mit Erbrochenem und Durchfall aus, via Abwasser in Gewässer. Schweine sind im Winter bis zu 90% mit Influenza durchseucht. Tiere verschmutzen durch Fäkalien und Ausscheidungen aus Nase und Maul/Schnabel das Wasser. Alle Menschen haben Kontakt zum Trinkwasser. Alle Gewässer sind mit Viren belastet. Viren bleiben im kalten Wasser lange ansteckend. Deshalb treten Influenzaepidemien überwiegend im kalten Winter auf. Die sehr kleinen Viren werden im Wasserwerk unzureichend oder gar nicht gefiltert. Im Winter wird uns die Schweinegrippe via Trinkwasser anstecken.

Die Erde ist eine Scheibe, die Sonne dreht sich um die Erde, Cholera kommt mit Tröpfchen wie die Influenza, abweichende Meinungen verfolgt die Inquisition der staatlich verordneten Wissenschaft.

soddemann-aachen@t-online.de
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12909
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