Ärzte Zeitung, 03.12.2009

NRW fördert Niederlassung in 107 Kommunen

Mit bis zu 50 000 Euro fördert das Land Nordrhein- Westfalen Hausärzte, die sich in Regionen neu niederlassen, die langfristig von Unterversorgung bedroht sind.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. In genau 107 Kommunen in Nordrhein-Westfalen können Mediziner, die sich neu als Hausarzt niederlassen, mit einer finanziellen Förderung rechnen. Das bevölkerungsreichste Bundesland hat mehrere Regelungen auf den Weg gebracht, um dem drohenden Hausarztmangel auf dem Land zu begegnen. Es handelt sich um Gebiete, in denen maximal 25 000 Einwohner leben und in denen der Versorgungsgrad mit Ärzten, die jünger als 60 Jahre alt sind, unter 75 Prozent liegt.

Nachfragen aus allen Regionen in NRW

"Aktuell haben wir die Liste der in Frage kommenden Gemeinden auf den neuesten Stand gesetzt, damit die Maßnahmen auch wirklich da greifen, wo in den kommenden Jahren mit dem größten Bedarf an hausärztlichem Nachwuchs zu rechnen ist", erläutert Landesgesundheitsminister Karl Josef Laumann (CDU). Die betroffenen Kommunen befinden sich etwa im Münsterland, in Ostwestfalen-Lippe, im Sauerland oder am Niederrhein.

Nach den Förderrichtlinien erhalten Mediziner bis zu 50 000 Euro, die sich in einer Region niederlassen, in der die Gefährdung der hausärztlichen Versorgung droht. Bis zu 25 000 Euro gibt es, wenn die Versorgung auf mittlere Sicht gefährdet erscheint. Für die Übernahme oder Gründung einer Zweigpraxis in einer gefährdeten Region fließen bis zu 10 000 Euro. Je nach Art der Förderung müssen sich die Ärzte schriftlich verpflichten, ihre hausärztliche Tätigkeit für fünf oder zehn Jahre in dem Gebiet auszuüben. Die Antragsfrist läuft zunächst bis zum 15. Dezember. Auch nach dem Stichtag ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums noch eine gestaffelte Förderung möglich.

Hausarztpraxen in den als förderungswürdig eingestuften Gemeinden können bis zu 2000 Euro monatlich erhalten, wenn sie einen Weiterbildungsassistenten beschäftigen. Die Förderung wird maximal 24 Monate gezahlt, die Praxen müssen sich verpflichten, das Geld an die Jungmediziner weiterzugeben.

Die KV Nordrhein (KVNo) begrüßte die Initiative. "Ich hoffe, dass viele künftige Kollegen von der Förderung profitieren und trotz der knapp bemessenen Frist davon Gebrauch machen", sagte der KVNo-Vorsitzende Dr. Leonhard Hansen. "Wir wollen die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum langfristig sichern - deswegen stellen wir in diesem und dem nächsten Jahr jeweils 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen wir die Niederlassung und Weiterbildung in kleineren Städten und Gemeinden unterstützen", sagte Minister Laumann.

In zehn Jahren geht ein Drittel der Ärzte in Rente

Bereits im Juni hatte das nordrhein-westfälische Kabinett ein Aktionsprogramm zur Stärkung der hausärztlichen Medizin und Versorgung beschlossen (wir berichteten). Noch gebe es zwar keinen wirklichen Ärztemangel. "Aber wir kümmern uns schon heute um das Thema, weil wir wissen, dass in den kommenden zehn Jahren gut ein Drittel der Hausärzte aus Altersgründen die Praxis aufgibt und womöglich keinen Nachfolger findet", sagte Laumann.

Zum Aktionsprogramm gehören auch Projekte zur Stärkung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen etwa durch die Einrichtung von Stiftungsprofessuren und die Einführung der Allgemeinmedizin als Pflichtfach im Praktischen Jahr.

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