Ärzte Zeitung, 08.01.2010
Rückenwind
und Gegenwind für Sawicki
Nach fünf Jahren steht die Entscheidung um
die Vertragsverlängerung von IQWiG-Chef Peter Sawicki an.

Wie sicher sitzt Professor Peter Sawicki im Chefsessel des IQWiG?
Foto: © IQWiG
Von Christian Beneker und Helmut Laschet
Mehr als 600 Ärzte, Professoren
und Player im
Gesundheitswesen haben sich auf einer Unterschriftenliste für
die
Wiederwahl von Professor Peter Sawicki als Chef des IQWiG
ausgesprochen. Die Aktion ist, wie berichtet, eine Initiative der
Bremer Hausarztes Dr. Günther Egidi, der sich in einem offenen
Brief an Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler richtet.
„Ich
habe ganz allein diese bundesweite Unterschriften-Aktion gestartet und
durchgeführt“, berichtet Egidi. Eine
größere
Organisation als Initiatorin hätte es auf weit mehr
Unterschriften
gebracht, mutmaßt der Hausarzt. „Unter den
Unterstützern, die alle innerhalb von acht Tagen
unterschrieben
haben, sind mehrheitlich Hausärzte aus der ganzen
Bundesrepublik
– von Kiel bis Konstanz und von Leverkusen bis Sachsen,
außerdem haben nahezu alle Leiter der allgemeinmedizinischen
Fakultäten in Deutschland unterschrieben“, so Egidi.
Es sei
ein Trugschluss, dass Sawicki bei den Ärzten unbeliebt ist und
deshalb die Ärzte die Ablösung
befürworteten, folgert
der Hausarzt.
Die Unterschriften-Liste hat Egidi an
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler geschickt, sowie an
Stiftungsrat und -vorstand des IQWiG. Die Berichte des Institutes
„sind für unsere tägliche Arbeit
unentbehrlich“,
heißt es in dem Anschreiben. Sawickis
„Ablösung an der
Spitze des IQWiG würde der internationalen Vernetzung des
Institutes wie auch der deutschen medizinischen Wissenschaft insgesamt
schweren Schaden zufügen.“ Sawicki sei
unabhängig,
verfüge über große Reputation und stehe
gerade für
die Interessen der Patienten. Diese Aussage steht im Gegensatz zu den
bei ärztlichen Fachgesellschaften häufig stark
umstrittenen
Nutzen-Bewertungen des IQWiG.
Im November 2009 berichtete der „Spiegel“,
Sawicki solle
nach dem Willen einiger Koalitionspolitiker abgelöst und das
IQWiG
wirtschaftsfreundlicher aufgestellt werden. Sawickis
Fünfjahres-Vertrag läuft 2010 aus. Eine
Bestätigung
müsste durch den IQWiG-Vorstand erfolgen.
Kritische Bilanz nach fünf Jahren Aufbauarbeit
Im
Vorfeld
dieser Personalentscheidung ist nun eine Debatte darüber
entbrannt, ob Sawicki ein Opfer der Lobby-Arbeit der pharmazeutischen
Industrie werden könnte, wie etwa die Autoren des
ARD-Nachrichten-Magazins „Monitor“ vermuten.
Allerdings
hat bereits der Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung
festgehalten, man wolle die Arbeit des
IQWiG „unter dem
Gesichtspunkt stringenter, transparenter Verfahren
überprüfen
und damit die Akzeptanz von Entscheidungen für Patienten,
Leistungserbringer und Hersteller verbessern“.
Als
Zeuge
für die angeblich überragende Rolle des
IQWiG, das
Sawicki in
den vergangenen fünf Jahren aufgebaut hat, führt
„Monitor“ Professor Wolf-Dieter Ludwig, den
Vorsitzenden
der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, an:
„Das Institut hat eine wichtige Funktion für
Patienten und
Bürger, weil es durch seine Bewertungen Transparenz schafft
hinsichtlich des Nutzens und der Sicherheit neuer
Arzneimittel.“
Tatsächlich
ist das
IQWiG von der Realisierung eines solchen Anspruchs meilenweit
entfernt. Allenfalls punktuell gibt es zur Dominanz von Informationen
aus der Pharma-Industrie so etwas wie ein Gegengewicht.
Die
Vorgehensweise des
IQWiG, etwa bei der
Kosten-Nutzen-Bewertung, ist
höchst eigenwillig – erst nach drei Jahren hat das
Institut
eine Methodik vorgelegt, die von einer Mehrheit der
Gesundheitsökonomen aber als unvereinbar mit internationalen
Standards bewertet wird.
Außerdem: Die
Amtsführung
von Sawicki war häufig umstritten und hat ihm im Fall von
Auftragsvergaben Ermahnungen eingetragen. Dass nach fünf
Jahren
kritisch Bilanz gezogen wird, ist wenig überraschend.
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