Ärzte Zeitung, 29.01.2010

Kritik an Soldaten als Entwicklungshelfer

Hilfsorganisationen kritisieren Afghanistanstrategie.

Von Ursula Armstrong

NEU-ISENBURG. Etwa jede halbe Stunde sterben eine afghanische Frau an Schwangerschafts-Komplikationen, eine weitere an Tuberkulose und 14 Kinder an vermeidbaren Krankheiten. Acht Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) haben auch deshalb im Vorfeld der am gestrigen Donnerstag begonnenen Afghanistan-Konferenz in London mehr Geld für die Militär-unabhängige Afghanistan-Hilfe gefordert.

Die Afghanistan-Hilfe konzentriere sich immer mehr auf militärische Kapazitäten der Nato-Partner. Doch es sei keine gute Strategie, wenn Soldaten Entwicklungshilfe leisteten, kritisieren die Hilfsorganisationen. Das könne nur eine kurzfristige Lösung sein, jedoch keine nachhaltige Hilfe, wie das Land sie brauche. Außerdem setze Hilfe durch ausländische Soldaten Afghanen Risiken aus, da solche Projekte häufig Ziele von Taliban-Angriffen seien.

Acht Jahre nach dem Sturz der Taliban habe es aber zweifellos Fortschritte in Afghanistan gegeben, vor allem in den Bereichen Gesundheitsversorgung und Bildung, so die NGOs in ihrem Aufruf. Die Hilfsorganisationen, darunter CARE und Oxfam, arbeiten seit bis zu 50 Jahren in Afghanistan und betreuen mehr als fünf Millionen Menschen im ganzen Land. Doch trotz einiger Erfolge und der Nato-Hilfe geht es Afghanistan immer schlechter. Zurzeit ist das Land einer der am wenigsten entwickelten Staaten der Welt.

In London kommen zurzeit Delegationen aus knapp 70 Ländern zusammen, um einen Grundstein für den späteren Abzug der internationalen Truppen zu legen. Auch der Kampf gegen Korruption und mögliche Verhandlungen mit den radikalislamischen Taliban stehen auf der Tagesordnung. Deutschland will sein Kontingent an Soldaten zunächst aufstocken, aber bis 2014 vollständig abziehen.

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