Ärzte Zeitung, 03.02.2010

Immer mehr Soldaten erkranken an Belastungsstörung

Aus Afghanistan kehren immer mehr Bundeswehr-Soldaten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung zurück.

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Nach dem Einsatz kommen Traumata: Soldaten brauchen Hilfe. i©imago

BERLIN (bee). Die Zahl der Bundeswehrsoldaten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach Berechnungen des Verteidigungsministeriums, die der "Ärzte Zeitung" vorliegen, ist besonders die Belastung bei Soldaten hoch, die in Afghanistan waren.

Die Armee hat 2009 insgesamt 466 Soldaten mit PTBS gezählt - 418 von ihnen waren aus Afghanistan zurückgekehrt. Im Jahr 2008 waren es 245 Soldaten, von denen 226 zuvor in Afghanistan eingesetzt worden waren. Das ist ein Anstieg von über 90 Prozent binnen eines Jahres.

Das Ministerium geht davon aus, dass die Zahl der belasteten Soldaten gestiegen ist, weil sich die Soldaten mehr mit dem Thema PTBS beschäftigen und Traumata eher zugeben. Im gleichen Zeitraum haben aber auch die Kampfeinsätze der Bundeswehr deutlich zugenommen.

Auf Druck der Bundeswehr kündigte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) im Februar 2009 im Bundestag die Gründung eines Kompetenzzentrums für PTBS an. Dieses ist mittlerweile am Bundeswehrkrankenhaus in Berlin angesiedelt und hat seine Arbeit im Mai 2009 aufgenommen. Kritik gibt es allerdings von Reinhold Robbe (SPD), Wehrbeauftragter des Bundestages: Das Institut habe nicht genügend Mittel und Kompetenzen, um diese Aufgabe wahrzunehmen. Derzeit werden Soldaten mit Traumata dezentral in Bundeswehrkliniken in Berlin, Koblenz und Hamburg therapiert. Diskutiert wird, ob die Versorgung an einem Ort sinnvoller wäre.

Die Ärzteorganisation IPPNW rät, auf die psychische Gesundheit, vor allem der Soldaten im Afghanistan-Einsatz, zu achten. Eine kürzlich veröffentlichte US-Studie zeigt, dass zwischen 2004 und 2007 bis zu 17 Prozent der US-Soldaten, die in Afghanistan und im Irak eingesetzt wurden, an einer PTBS litten. Die Untersuchung, die mit Patienten des amerikanischen Militärkrankenhaus in Landstuhl in Rheinland-Pfalz durchgeführt wurde, zeigte auch, dass es seit dem Jahr 2005 eine deutliche Steigerung der PTBS-Fälle in der US-Armee gibt.

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