Freitag, 19. Dezember 2014
Ärzte Zeitung, 11.02.2010

Brüderle steckt PKV-Studie in den Giftschrank

Rürup/IGES: Primär Wettbewerb um junge Gesunde

BERLIN (HL). Die private Krankenversicherung ist kein Geschäftsmodell, das Ältere und Kranke effizient absichert - dieses Fazit einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie passte Ressortchef Rainer Brüderle (FDP) überhaupt nicht. Von höchster Stelle wurde angeordnet, die Expertise im Giftschrank verschwinden zu lassen.

Brüderle steckt PKV-Studie in den Giftschrank

Studienergebnis zu "giftig" für die Öffentlichkeit? © WOGI / fotolia.com

Die Gutachter, das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) und der Ökonom Professor Bert Rürup, äußerten Zweifel, "dass die PKV ihren Ansprüchen gerecht wird, einen besseren Schutz gegen Beitragssteigerungen zu bieten" als die GKV es tut. Zwischen 1997 und 2008 seien die Ausgaben je PKV-Versichertem um 49 Prozent, die der GKV-Versicherten nur um 31 Prozent gestiegen.

Achilles-Ferse der PKV sind - auch nach eigenem Bekenntnis - die steigenden Arzthonorare. Weiterer Kritikpunkt von IGES/Rürup: Wettbewerb findet hauptsächlich um junge gesunde Mitglieder statt, die mit preiswerten Tarifen geworben werden. Das führe zu überdurchschnittlichen Prämienzuwächsen bei älteren Versicherten.

Den FDP-geführten Ressorts für Wirtschaft und Gesundheit liegt das schwer im Magen. In der Koalitionsvereinbarung war ausdrücklich die PKV als zweite eigenständige Säule der Krankenversicherung bestätigt worden. Die Studie offenbart Konfliktpotenzial für Gesundheitsminister Rösler: Will er die GOÄ reformieren, muss er sich mit zwei Klientelgruppen seiner Partei anlegen - den Ärzten und ihren Organisationen sowie der PKV.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Die liberale Ideologie

|
[16.02.2010, 17:40:17]
Dr. Nikolaus Kleinau 
Stellungnahme erwünscht
Die Ärztezeitung möge den Bundeswirtschaftsminister um eine Stellungnahme zu den angeführten Fakten bitten, zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

64 Kassen im Check: Welche Kasse günstiger und welche teurer wird

Der Beitragssatz für 2015 variiert bei den Krankenkassen stark. Bislang gibt es eine Kasse, die teurer wird. Wie hoch der Beitragssatz Ihrer Krankenkasse sein wird, sehen Sie in unserem Kassen-Check. mehr »

AMNOG: Zusatznutzen bei fast jeder zweiten neuen Arznei

Vier Jahre AMNOG - eine Zwischenbilanz: Bei etwas mehr als der Hälfte der Arzneiinnovationen ist ein Zusatznutzen festgestellt worden, berichtet der GBA. Die frühe Nutzenbewertung macht den Pharmaherstellern aber zu schaffen: Sie klagen über einen hohen Forschungsaufwand, freuen sich aber über ein Rekordjahr an Innovationen. mehr »

Geriatrie-Ziffer: Für Abrechnung Arzt-Patienten-Kontakt erforderlich

Das geriatrische Basisassessment (EBM-Nr. 03360) ist ab 1. Januar 2015 nicht mehr ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt abrechenbar. Das hat der Arbeitsausschuss des Bewertungsausschusses beschlossen. mehr »