Ärzte Zeitung, 29.03.2010

Für das Medizinstudium liegen neue Lernziele erst Ende 2011 vor

Viele angehende Ärzte fühlen sich nicht gut vorbereitet auf ihren Beruf. Ein geplanter neuer Lernzielkatalog soll die berufsvorbereitenden Studieninhalte stärker in den Blick rücken.

Von Ilse Schlingensiepen

Für das Medizinstudium liegen neue Lernziele erst Ende 2011 vor

Nicht nur am Dummy lernen: Hochschulabsolventen sind top ausgebildet in der Medizin, aber oft schlecht vorbereitet für die Fähigkeiten, die Ärzte in der Berufsausübung brauchen. © dpa

ESSEN. Die Gesellschaft für medizinische Ausbildung (GMA) erarbeitet einen kompetenzbasierten Lernzielkatalog für die Medizinerausbildung. Er soll bis Ende 2011 fertig sein, kündigte der GMA-Vorsitzende Professor Eckhart Hahn beim "Gesundheitskongress des Westens 2010" in Essen an. "Lernziele, Methoden und Bewertungen der Aus- und Weiterbildung müssen der ärztlichen Tätigkeit im Gesundheitswesen entsprechen", sagte der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Witten/Herdecke.

In Deutschland gelinge es offenbar nicht ausreichend, die Medizinerausbildung so zu gestalten, das die jungen Leute gerade in den ersten Jahren Freude an der Berufsausübung haben. Die angehenden Mediziner fühlen sich nicht richtig auf den ärztlichen Beruf vorbereitet und wandern deshalb in großer Zahl in andere Tätigkeiten ab, glaubt Hahn.

Kommunikationsfähigkeit - herausragend wichtig

Befragungen zeigten, dass Medizinstudierende nicht die richtigen Kompetenzen vermittelt bekommen, sagte Hahn. "Gerade die berufsvorbereitenden Studieninhalte werden als besonders verbesserungswürdig eingestuft." Hahn beklagt, dass die Kommunikationsfähigkeit der Ärzte in der Ausbildung zu kurz kommt, obwohl sie eine "herausragende Eigenschaft" des ärztlichen Berufs sei. "Hier muss etwas getan werden", forderte er.

Auch die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Bundesärztekammer, Dr. Regina Klakow-Franck, sieht Handlungsbedarf. "Wir brauchen neue Lernziele und nicht mehr nur rein medizinische Inhalte", sagte sie. Nach ihrer Einschätzung muss die Ärzteschaft die Definition der ärztlichen Berufsentwicklung wieder stärker selbst in die Hand nehmen. "Das Ärztebild der Zukunft wird zu sehr von dem dominiert, was der Markt regelt."

Für Rudolf Henke, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes, müssen außer der verbesserten Aus- und Weiterbildung drei weitere Bedingungen erfüllt sein, damit der Arztberuf attraktiver wird: die Konzentration auf ärztliche Tätigkeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ein gutes Einkommen. "Wenn sich nichts ändert, außer dass sich die Einkommen erhöhen, wird der Ärztemangel nicht verschwinden", sagte Henke. "Wenn sich die Einkommen nicht verändern, allerdings auch nicht."

Zurzeit halten rund 20 Prozent der deutschen Krankenhäuser Kindertagesstätten vor, die auf die ärztlichen Arbeitszeiten abgestimmt sind, berichtete Henke. 30 Prozent würden über ein entsprechendes Angebot nachdenken, aber für 50 Prozent sei das überhaupt kein Thema. "Das ist erschreckend", sagte er.

Personal binden statt neu zu akquirieren ist angesagt

Die Krankenhäuser hinken in puncto Personalentwicklung und Personalbindung anderen Branchen um rund 20 Jahre hinterher, sagte Jan Stanslowksi, Vorstandsmitglied der privaten Sana Kliniken. "Wir werden künftig mehr Geld dafür ausgeben müssen, Personal zu binden und zu halten, als ständig neues zu akquirieren", sagte er. Die Personalbindung sei um so wichtiger, als die Kliniken mit dem Nachwuchsmangel leben müssten. "Es wird einen Wettbewerb geben, wer die Ärzte bekommt", sagte Stanslowski.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »