Ärzte Zeitung, 06.04.2010

Kommentar

Alarmismus ist nicht angesagt

Von Florian Staeck

Die Warnung der Statistiker wird Politikern in den Ohren klingeln: 2009 könnte der Anteil der Gesundheitsausgaben erstmals die Schwelle von elf Prozent übersteigen. 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) haben die Gesundheitsausgaben im Jahr 2008 betragen. Allerdings ist der für 2009 zu erwartende Anstieg - Daten liegen noch nicht vor - ein statistisches Artefakt: Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat das Sozialprodukt um rund fünf Prozent sinken lassen. Dagegen ist die Morbidität in der alternden Gesellschaft gestiegen. Folgerichtig nimmt der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP zu. Das ist nicht neu: Als die Wirtschaft nach der Dotcom-Blase 2002 und 2003 stagnierte, wuchsen die Gesundheitsausgaben auf 10,6 (2002) und dann auf 10,8 Prozent (2003).

Ein näherer Blick auf die Zahlen der Statistiker zeigt überdies, wie deutlich die Ausgabenkurve politischen Imperativen folgt: Die Leistungen ambulanter Pflegeeinrichtungen sind mit acht Prozent am stärksten gestiegen -  eine Folge der im Juli 2008 in Kraft getretenen Pflegereform. Ähnlich verhält es sich mit den Ausgaben für Prävention: Sie schnellten um 600 Millionen Euro nach oben. Mehr Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen waren gewünscht, Ärzte haben darauf reagiert.

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