Ärzte Zeitung, 04.05.2010

Die grenzenlose Medizin der grünen Samariter

Die grenzenlose Medizin der grünen Samariter

Sie versprechen jedem fast alles: Innovation, Natur- und Komplementärmedizin, umfassende Pflege und viele, viele Arbeitsplätze: Das Programm ohne Grenzen ist grün.

Von Anja Krüger

KÖLN. Bündnis 90/Die Grünen haben ihr Programm für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen "Grüner Zukunftsplan" genannt. Sie wollen ökologische Verantwortung und ökonomische Vernunft miteinander vereinigen. Der "Green New Deal" soll 200 000 neue Jobs schaffen, davon 30 000 im Gesundheitswesen. "Wir sehen im Gesundheitsbereich kein immer höhere Kosten verursachendes Problemfeld, sondern ein wirtschaftliches und soziales Innovationsthema", heißt es im Programm. Die übrigen 170 000 Arbeitsplätze sollen durch Investitionen in die Gebäudesanierung (100 000), erneuerbare Energien und Ressourceneinsatz (30 000), Bildung und Betreuung (30 000) und Projekte für Langzeitarbeitlose (10 000) entstehen.

Das große Thema für die Grünen im industriellen Herzen der Bundesrepublik ist die Energie- und Umweltpolitik. Doch auch Gesundheitspolitik nimmt bei ihnen viel Raum ein.

Dabei zeigen sie eine erstaunliche Liebe zum Detail: Sie wollen für ältere und pflegebedürftige Menschen neue Wohnformen ausbauen, damit Senioren im gewohnten Umfeld bleiben können.

Hospize und palliativmedizinische Dienste sollen finanziell gestärkt, Palliativversorgung und Sterbebegleitung in die ärztliche und pflegerische Ausbildung aufgenommen werden.

Die Grünen wollen mehr Prävention und Gesundheitsförderung, und zwar auf die Lebenssituation der jeweiligen Zielgruppen ausgerichtet. Naturheilkunde und Komplementärmedizin sollen einen gleichberechtigten Stellenwert in der Gesundheitsversorgung erhalten. "Unabhängig von allem technischen Fortschritt in medizinischer Behandlung und Pflege bleibt die unmittelbare Fürsorge von Mensch zu Mensch das wichtigste Element in der Gesundheitsversorgung", heißt es.

Kein Zweifel, in ihrem Programm haben die Grünen wie keine andere Partei in NRW ihre gesundheitspolitischen Hausaufgaben gemacht.

Sie wollen die öffentlichen Gesundheitsdienste und die örtlichen Gesundheitskonferenzen stärken. Sie haben an alle gedacht, an Alte, Behinderte, Süchtige, Migranten, Frauen, Kinder, Menschen im Maßregelvollzug und andere psychisch Kranke. Sie wollen eine wohnortnahe medizinische Versorgung, bei der der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt im Vordergrund steht.

Sie notieren den Mangel an niedergelassenen Ärzten im ländlichen Raum und stellen eine finanzielle Förderung von ansiedlungswilligen Medizinern zur Diskussion. Sie wollen, dass Hausbesuche von Ärzten besser vergütet werden und noch viel mehr.

Und doch wird vielen Medizinern das Programm unterm Strich nicht gefallen. Denn die Grünen wollen auch die Öffnung der Kliniken für die ambulante Versorgung und eine Angleichung der Honorare und der Gebührensätze von gesetzlicher und privater Krankenversicherung - sicher nicht auf dem Niveau der privatärztlichen Vergütung.

Und: Offen bleibt, wie die grünen Gesundheitspolitiker das Füllhorn gesundheitlicher Wohltaten finanzieren wollen.

Die "Ärzte Zeitung" stellt in einer Serie die gesundheitspolitischen Programme der fünf großen Parteien in Nordrhein-Westfalen vor.Lesen Sie morgen, welche Ziele die Linken verfolgen.

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