Ärzte Zeitung, 16.07.2010

Placebo gegen das Sommerloch

Von Thomas Hommel

Placebo gegen das Sommerloch

Thomas Hommel ist Hauptstadtkorrespondent der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: thomas.hommel@springer.com

Für Journalisten hält der Sommer nicht nur schöne Seiten bereit. Manchem Kollegen geht in diesen Tagen einfach der Stoff aus. Besonders hart trifft es jene, deren Geschäft die Tagespolitik ist. Politiker, über deren Auf- und Fehltritte berichtet werden soll, machen einfach Urlaub und lassen die Redakteure schlagzeilenlos zurück. Insider sprechen dann von "Saurer-Gurken-Zeit" oder vom "Sommerloch".

An solchen nachrichtenarmen Tagen ist jeder der schreibenden und drehenden und sprechenden Kollegen heilfroh, wenn sich wenigstens irgend etwas ereignet, was er aufschreiben, in die Kameras oder Mikrofone sagen kann. Mitunter kann es dann passieren, dass aus einer Mücke ein Elefant, einer winzigen Meldung eine Riesenstory oder einer schon tausendmal gehörten Forderung eine Endlos-Debatte wird.

In diese Kategorie "Sommerlochthema" fällt die Debatte um den Ausschluss der Homöopathie aus dem Leistungskatalog der GKV. Der hungrigen Journalistenschar vor die Füße geworfen hat das Thema der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Wirklich neu ist das Ganze nicht - aber was soll's: In Zeiten wie diesen ist - wie gesagt - wichtig, dass überhaupt irgendwas gesagt wird.

Lauterbach sagt, Homöopathie bringe nichts, sei Placebo und daher sollten die Kassen die Kosten dafür auch nicht mehr übernehmen. Siehste, lieber Philipp Rösler, so stopft man als Gesundheitsminister Milliardenlöcher bei AOK, DAK & Co.. Dass die Kassen derzeit nur 8,4 Millionen Euro im Jahr für Homöopathie ausgeben und der Rest im Rahmen von Wahltarifen einzelner Krankenversicherer erstattet wird, sagt Lauterbach nicht - warum auch, es hat ihn ja auch keiner gebeten, die Summe zu nennen.

Stattdessen werden landauf und landab Politiker, Krankenkassenmanager, Ärzte und andere Experten vor die Schreibblöcke, die Kameras und die Hörfunk-Mikrofone gezerrt, die kundtun sollen, was sie denn so von der Homöopathie im Allgemeinen und im Besonderen halten - oder auch nicht.

Das funktioniert prima und siehe da: Das gefürchtete "Sommerloch" ist am Ende gar nicht so tief wie befürchtet - Herrn Doktor Lauterbachs Placebo sei es gedankt!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »