Frauensache: Weltärztinnenkongress lockt 600 Ärztinnen nach Münster

Ärztinnen aus allen Regionen dieser Welt kommen in der nächsten Woche in Münster zusammen. Die Palette an Themen, über die sich die Medizinerinnen beim 28. Internationalen Kongress des Weltärztinnenbundes austauschen wollen, ist riesig.

Christiane BadenbergVon Christiane Badenberg Veröffentlicht:

MÜNSTER. An Arbeit dürfte es Dr. Regine Rapp-Engels momentan nicht mangeln. Denn die Präsidentin des Ärztinnenbundes ist zur Zeit nicht nur mit ihrer Arbeit als Sozialmedizinerin bei der Deutschen Rentenversicherung und ihrem Ehrenamt ausgelastet, sondern steckt auch mitten in den Vorbereitungen zum Weltärztinnenkongress.

Der beginnt am kommenden Mittwoch in Rapp-Engels Heimatstadt Münster. Aber viel Arbeit scheint die 54 Jahre alte Ärztin eher zu beflügeln, denn im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" über die Vorbereitung des Kongresses ist die Vorfreude auf das Treffen mit den Kolleginnen aus aller Welt deutlich herauszuhören. Rapp-Engels geht davon aus, dass die Gespräche und Vorträge vielen Teilnehmerinnen völlig neue Blickwinkel eröffnen werden. Dabei geht es den Ärztinnen keineswegs nur um spezielle Strategien der Karriereplanung. Zu den großen Themen des Kongresses zählen auch Ernährungsmedizin, Suchttherapien, epidemische Erkrankungen oder Fragen der medizinischen Grundversorgung.

So berichtet Rapp-Engels von Problemen arabischer Ärztinnen, ihren Patienten die medizinischen Gefahren durch Übergewicht nahezubringen. So entsprächen füllige Frauen zum Beispiel eher dem arabischen Schönheitsideal. Von einem Schlankheitswahn nach westlichen Maßstäben könne dort keine Rede sein. In Asien sei Übergewicht bis vor einigen Jahren überhaupt kein Problem gewesen, aber mit dem steigenden Wohlstand in diesen Ländern gibt es auch hier zunehmend Probleme. Wohlstandserkrankungen wie Diabetes nehmen in diesen Regionen immer mehr zu. Gefragt seien auch Vorsorgekonzepte, die geschlechtsspezifische und kulturelle Unterschiede berücksichtigen, sagt Rapp-Engels. Mittlerweile wisse jeder, dass Frauen und Männer Vorsorgeangebote völlig unterschiedlich nutzten, da sei die Entwicklung kreativerer Angebote gefragt. Ebenso könnten Präventionsangebote entwickelt werden, die von ausländischen Familien besser in Anspruch genommen werden. Dafür sei ein internationaler Austausch sinnvoll, sagt Rapp-Engels.

Aber bei dem Kongress soll es auch um die Arbeitsbedingungen von Ärztinnen gehen. "Dabei klaffen die Probleme und Bedürfnisse weltweit natürlich stark auseinander", sagt Rapp-Engels. Sind für Ärztinnen aus westlichen Ländern zum Beispiel Themen wichtig, die ihnen eine andere Art des Forschens und Arbeitens ermöglichen als ihren Kollegen, so störe viele zum Beispiel, dass in Deutschland ein EKG immer noch besser vergütet werde, als ein Patientengespräch. In anderen Ländern hätten Medizinstudentinnen dagegen noch damit zu kämpfen, dass sie in der Ausbildung körperlich gezüchtigt würden, berichtet die DÄB-Präsidentin. Für alle diese Themen solle es auf dem Kongress Foren geben.

Um möglichst vielen Ärztinnen auch aus ärmeren Ländern eine Teilnahme am Kongress zu ermöglichen, hat sich der Ärztinnenbund um Stipendien bemüht, vielen wird die Teilnahmegebühr erstattet, damit sie vor Ort eine Art Taschengeld haben. Außerdem wurden günstige Übernachtungsmöglichkeiten zum Beispiel im Jugendgästehaus am Aasee oder in Familien organisiert.

Regine Rapp-Engels liegt neben dem Austausch mit den Kolleginnen eines besonders am Herzen: "Am Ende sollen sich hier alle wohl gefühlt haben und viele sollen freundschaftlich miteinander verbunden bleiben."

Lesen Sie dazu auch: Weltärztinnenkongress Ende Juli in Münster

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