Ärzte Zeitung, 23.08.2010

Pädiatrische Spezialambulanz schränkt Versorgung ein

Eine Kasseler Kinderklinik wirft Krankenkassen mangelnde Zahlungsbereitschaft vor.

KASSEL (kaj). Die kommunale Kinderklinik Park Schönfeld in Kassel schlägt Alarm. Ihre pädiatrischen Spezialambulanzen sollen in diesem Quartal keine neuen Termine mehr vergeben, so der ärztliche Direktor Professor Friedrich-Karl Tegtmeyer. Er begründet den Schritt mit mangelnder Zahlungsbereitschaft der Kassen für das aufwändige Angebot.

Hintergrund des Konflikts ist eine gesetzliche Regelung, die seit 2009 gilt: Zusätzlich zu dem Geld, das von den Kassenärztlichen Vereinigungen an die ermächtigten Klinikpädiater fließt, sollen die Kassen Pauschalen an die Kliniken zahlen. Mit der Regelung soll eine angemessene Vergütung von Spezialleistungen an pädiatrischen Ambulanzen zum Beispiel für die Bereiche Onkologie, Stoffwechsel-Erkrankungen oder Neonatologie erreicht werden.

Erst wenige betroffene Klinken in Deutschland hätten sich mit den Kassen über die Höhe der Pauschalen einigen können, betont Tegtmeyer. Seine sei die erste, die Konsequenzen ziehen und daher die Patientenversorgung einschränken müsse: "Ich hoffe, dass dieser Zustand nicht lange andauern wird." Notfälle würden weiter aufgenommen - bei Bedarf würden diese Patienten allerdings stationär behandelt. Für die Krankenkassen ist das teurer.

Die Landwirtschaftliche Krankenkasse Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (LKK) meldet sich für die Gegenseite zu Wort. Die Forderungen in Kassel überstiegen das, was angemessen sei, so LKK-Direktor Helmut Heinz. Beträge, über die gestritten wird, will er nicht beziffern, "Es kann nicht sein, dass die Patienten darunter zu leiden haben", sagt er. Niedergelassene Pädiater äußern Verständnis für die Klinikkollegen.

Die Arbeit von Spezialisten, von denen einer für die Versorgung in ganz Nordhessen ausreiche, müsse angemessen vergütet werden, findet Alfons Fleer, der Vorsitzende der Kasseler Kinder- und Jugendärztegenossenschaft. Er fordert, dass jedes Kind vor der Überweisung an eine Ambulanz von einem Pädiater gesehen wird. Hausärzte überwiesen zu häufig dorthin, meint Fleer.

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