Ärzte Zeitung, 06.10.2010

Neue Honorarverteilung schafft keine Befriedung

Hamburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gehen leer aus

BERLIN/HAMBURG/MÜNCHEN (HL). Die asymmetrische Verteilung von 500 Millionen Euro, wie sie am Dienstag vom Erweiterten Bewertungsausschuss beschlossen worden ist, hat die Verhältnisse zwischen den KV-Regionen nicht befriedet.

Neue Honorarverteilung schafft keine Befriedung

Kollegen besonders in Hamburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern werden beim Geldzählen die Augen tränen.

© Udo Kroener / fotolia.com

Relativ am stärksten profitieren von der ungleichmäßigen Verteilung der Zuwächse die KVen Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Westfalen-Lippe und Nordrhein. Hier können die morbiditätsbedingten Gesamtvergütungen um bis zu 4,32 Prozent wachsen, weil der gesetzliche Zuwachs von 0,75 Prozent aus dem 500-Millionen-Euro-Topf kräftig aufgestockt wird.

Die KBV-Gießkanne
KVen Millionen m
Schleswig-Holstein
27
Hamburg
0
Bremen
2
Niedersachsen
25
Westfalen-Lippe
78
Nordrhein
88
Hessen
18
Rheinland-Pfalz
30
Baden-Württemb.
80
Bayern
40
Berlin
0
Saarland
3
Mecklenburg-Vorp.
0
Brandenburg
25
Sachsen-Anhalt
23
Thüringen
18
Sachsen
43
Gesamt
500

Tabelle: Ärzte Zeitung

Dagegen erhalten die Stadtstaaten Hamburg und Berlin sowie die KV Mecklenburg-Vorpommern aus diesem Topf überhaupt keine Zuweisungen. Bei der KV Hamburg führte dies gestern bereits zu scharfem Protest.

Bei einem zusätzlichen Mittelbedarf zwischen drei und fünf Prozent als Folge von mehr Morbidität und medizinischem Fortschritt sei im kommenden Jahr mit Leistungseinschränkungen zu rechnen, kündigte KV-Vorstand Dieter Bollmann an. Hamburg wie auch Berlin hatten allerdings bislang von der 2009 eingeführten Vergütungssystematik überproportional profitiert.

Unfair fühlt sich auch die KV Bayerns behandelt. Sie erhält zwar 40 Millionen Euro aus dem Topf für die asymmetrische Verteilung. Angesichts der bislang weit unterdurchschnittlichen Zuwächse und vor dem Hintergrund einer überdurchschnittlichen Leistungsstruktur sieht man sich jedoch im Vergleich zu Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen benachteiligt, so KV-Chef Dr. Axel Munte.

Am Montag wollen KBV und GKV-Spitzenverband weitere Details beraten. Es geht dann um neue gesetzliche Mengenbegrenzungen für bislang freie Leistungen.

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