Ärzte Zeitung, 20.10.2010

Hamburg testet neue Wege beim Kinderschutz

In einem Modellprojekt soll untersucht werden, ob Erinnerungen und persönliche Einladungen zur Früherkennung die Zahl der Vernachlässigungen senken.

HAMBURG (di). Ein in Hamburg gestartetes Modellprojekt hat eine bessere Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen für Kinder zum Ziel. Zugleich wird geprüft, ob über das Erinnerungs- und Meldewesen mehr Kinderschutzfälle entdeckt werden können als bisher der Fall ist.

Im Rahmen des Modellversuchs werden die Eltern von rund 33 000 Kindern in Hamburg durch ein Anschreiben von Sozialsenator Dr. Dietrich Wersich, das über eine zentralen Stelle verschickt wird, an die Teilnahme an den Kinderfrüherkennungsuntersuchungen U6 (zehnter bis zwölfter Lebensmonat) und U7 (21. bis 24. Lebensmonat) erinnert. Durch die Untersuchungen sollen Krankheiten und eine Gefährdung der normalen, altersentsprechenden körperlichen und geistigen Entwicklung von Kindern entdeckt werden.

Alle Anschreiben enthalten einen fremdsprachigen Passus, der das Verfahren in fünf Sprachen (Englisch, Türkisch, Darsi, Serbisch und Russisch) zusammenfassend erläutert.

Kinder- und Hausärzte wurden ebenso wie die Einrichtungen des Hilfesystems (Eltern-Kind-Zentren, Mütterberatungsstellen, Kindertageseinrichtungen) über das Modellprojekt informiert.

Das Einwohnermelderegister meldet die notwendigen Daten aller Kinder im Alter vom achten bis zum achtundzwanzigsten Monat an die zentrale Stelle. Diese verschickt das Erinnerungsschreiben mit einer frankierten Karte an Eltern und andere Sorgeberechtigte. Diese Karte soll dem Arzt vorgelegt, nach der Untersuchung abgezeichnet und von den Eltern an die Zentrale Stelle zurück geschickt werden.

Erfolgt keine Rückmeldung, werden diese erneut angeschrieben. Bleibt der Besuch beim Arzt auch danach aus, wird das zuständige Gesundheitsamt eingeschaltet. Von dort erfolgt eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch, bei dem die Eltern erneut über das kostenlose Angebot zur Früherkennung von Krankheiten bei ihrem Kind informiert und über den hohen Stellenwert aufgeklärt werden, den die Untersuchung für ein gesundes Aufwachsen hat. Bei Bedarf werden die Eltern auch dabei unterstützt, ihrem Kind die Teilnahme an dieser Untersuchung zu ermöglichen.

Mit ersten Zwischenergebnissen rechnet die Hamburger Sozialbehörde in rund einem Jahr.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kontrolle und Hilfe zugleich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »