Direkt zum Inhaltsbereich

Der Standpunkt

Wahnsinnige Skandale

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Helmut Laschet ist Ressortleiter Gesundheitspolitik und stellvertr. Chefredakteur der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie ihm: helmut.laschet@springer.com

Deutschland hangelt sich von Skandal zu Skandal. Diese Woche war es der Wartezeiten-Skandal, der Politik und Medien zur höchsten Erregungsstufe trieb. Monatelang müssten psychisch Kranke auf Behandlung warten, beklagt die Bundespsychotherapeutenkammer und spricht von einem "Skandal".

 Die SPD wollte den Fachärzten ans Leder - wegen der Wartezeiten von Kassenpatienten. Bis vor kurzem galt bei der SPD, dass niedergelassene Fachärzte weitgehend überflüssig seien. Urplötzlich gibt es zu wenig.

Die meisten politischen Rezepte, die gegen tatsächlich oder vermeintlichen Mangel angeboten werden, sind jedoch untauglich, weil sie einer dumpfen Tonnenideologie entspringen: mehr Geld, mehr Pfleger, mehr Ärzte, mehr Psychotherapeuten.

Mehr Geld wäre noch zu besorgen - bei anderer Prioritätensetzung. Aber: Mehr Menschen für mehr Arbeit werden wir auch in Medizin und Pflege absehbar nicht haben. Der Geburtenrückgang seit Ende der 60er Jahre ist ein Faktum!

Angesichts dessen geht unsere Gesellschaft verschwenderisch mit arbeitenden Menschen um. Jeder fünfte Mitarbeiter in der deutschen Wirtschaft hat innerlich gekündigt, so eine aktuelle Gallup-Umfrage. Nur jeder siebte hat eine emotionale Bindung an sein Unternehmen.

 Die Qualität der Mitarbeiterführung in Medizin und Pflege ist womöglich noch schlechter - innere Kündigung und Burn out noch häufiger. Während die Philosophen der Qualitätssicherung die Latte objektiver Parameter immer höher legen, wird vergessen, dass 90 Prozent der Leistungen im Gesundheitswesen von menschlicher Arbeit abhängig sind.

Die Frage ist: Wie wird mit diesen Menschen umgegangen? Erleben sie ihre Arbeit als restriktives, gar repressives und kaltes Wettbewerbssystem ? Wird jeder Fehler skandalisiert? Wird jede Herausforderung als Risiko verstanden, an dem man nur scheitern kann? Oder gibt es Rahmenbedingungen und Anreize, Herausforderungen als Chance zu begreifen?

Das erfordert eine kulturelle Änderung, die nicht per Gesetz verordnet werden kann.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Parteitag

Primärversorgung: Für die CSU sind schnellere Arzttermine zentral

Kommentare
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Lesetipps
Group of people over vintage colors background smiling with hands on chest with closed eyes and grateful gesture on face. Health concept.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert

Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen