Ärzte Zeitung, 26.05.2011

ADHS: Konzept im Südwesten hat sich bewährt

Die KBV ist überzeugt: Ein Erfolgsmodell aus Baden-Württemberg sollte in der Regelversorgung übernommen werden.

Von Angela Mißlbeck

Versorgungskonzept für ADHS-Kinder in Baden-Württemberg hat sich bewährt

ADHS: Im Südwesten kooperieren viele Berufsgruppen.

© Janssen-Cilag

BERLIN. Von dem Vertrag zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) in Baden-Württemberg profitieren Betroffene, Ärzte und Kassen gleichermaßen. Das ist das Ergebnis eines Werkstattgesprächs der KBV.

Das Versorgungsangebot von KBV, KV Baden-Württemberg und Betriebskrankenkassen besteht seit April 2009. Etwa zehn Prozent der Kinderärzte und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und ein gutes Viertel der Kinder- und Jugendpsychiater im KV-Bezirk wirken mit.

Sie bilden mehr als 40 regionale therapeutische Teams, die auch sozialpsychiatrische und sozialpädagogische Maßnahmen für die knapp 1000 im Vertrag betreuten Patienten organisieren. Die Kooperation wird in dem Vertrag nach §73c SGB V gesondert honoriert.

"Berufsgruppen, die sonst nicht regelhaft zusammenarbeiten, haben sich da zusammengefunden", sagte Dr. Bernhard Gibis, Leiter der KBV-Vertragswerkstatt in Berlin. Nicht nur Gibis vertritt die Auffassung, dass der Vertrag in der Regelversorgung als Kollektivvertrag umgesetzt werden sollte.

"Das ist das Modell einer Versorgung, die von der Öffentlichkeit, den Betroffenen und den Kostenträgern schon immer gefordert wird", sagte der Kinderarzt Dr. Dr. Klaus-Peter Grosse. Dr. Myriam Menter von der Selbsthilfegruppe ADHS Deutschland bestätigte das. Sie forderte, "dass alle diesen Vertrag umsetzen".

Seit Jahresbeginn wird das Versorgungsmodell nach Angaben von Dr. Christa Schaff, Bundesverbandsvize der Kinder- und Jugendpsychiater, von der Uni Marburg mit Förderung des Bundesgesundheitsministeriums evaluiert. Schaff forderte Krankenkassen zum Vertragsbeitritt auf, damit mehr Patienten profitieren.

Die beteiligten BKKen begrüßen vor allem zwei Effekte des Vertrags. Die Diagnose ADHS wird differentialdiagnostisch gesichert, und die Verordnungskosten sinken. Das liegt nicht nur daran, dass nur rund 26 Prozent der Patienten im Vertrag statt sonst zwischen 45 und 55 Prozent Medikamente erhalten.

Auch die Arzneikosten der weiterhin medikamentös versorgten Patienten sind nach Vertragsbeitritt um 21 Prozent gesunken, so der Vertragsstratege der BKK Gesundheit Harry Scheija. "Das sind sinnvolle und spürbare Einsparungen", erläuterte Scheja.

[27.05.2011, 06:31:32]
Dr. Fritz Gorzny 
Augenuntersuchungen und Korrektion von visuellen Störungen gehören auch in das Versorgungsangebot.
Da 80 % aller Informationen uns über die Augen erreichen und 30% des Hirnstoffwechsels für visuelle Verarbeitung verbraucht wird, wirken sich Störungen dieses weitgehend autonomen Regelkreises aus Muskelarbeit für Akkommodation . Fusion und Blicksteuerung katastrophal auf Lesen/Rechtschreiben und Konzentration aus. Vor allem nicht ausreichend korrigierte Hypermetropien, Astigmatismen, Anisometropien und vor allem assoziierte Heterophorien - vulgo "Winkelfehlsichtigkeit - erzeugen schwere Leistungsdefizite der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Ehe an eine Medikation gedacht wird , sollte auf visuelle Probleme am effektivsten nach der Mess-und Korrektionsmethode nach Haase (MKH) am Polatest untersucht werden und auffällige Befunde refraktiv und ggf. mit einer Prismenbrille korrigiert werden. Leider gehört dieses Verfahren noch nicht in den Kanon ophthalmolischer Untersuchungen. Unter ivbv org findet sich eine Liste anwendender Augenärzte und Optometristen.
Dr. fritz Gorzny, Augenarzt , Koblenz, Vizepräsident der INternationalen Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion (IVBV) zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »