Ärzte Zeitung, 10.08.2011

Super-Check-up für VW-Mitarbeiter

Soziale Verantwortung, aber auch unternehmerische Notwendigkeit: Volkswagen hat für seine Mitarbeiter einen umfassenden Gesundheits-Check-up entwickelt. Das Unternehmen sieht dies als Investition in seine Fachkräfte.

Von Christian Beneker

Super-Check-up für VW-Mitarbeiter

Produktion bei Volkswagen: Gesunde Mitarbeiter sind unverzichtbares Kapital für das Unternehmen.

© VW Media Services

WOLFSBURG. Der Volkswagen Konzern bietet künftig seinen weltweit mehr als 400.000 Mitarbeitern ein neues Programm zur Gesundheitsvorsorge an. Das kündigte der Personalvorstand der Volkswagen AG, Dr. Horst Neumann, an.

Der einstündige freiwillige Check-up wird keine einmalige Aktion bleiben, sondern den Mitarbeitern in regelmäßigen Abständen immer wieder angeboten werden, hieß es. Bei Bedarf wird den Mitarbeitern der Besuch eines Haus- oder Facharztes sowie die Teilnahme an vorbeugenden Maßnahmen empfohlen.

Bereits seit 2006 untersuchen die Betriebsmediziner in den Audi-Werken Ingolstadt und Neckarsulm die Mitarbeiter, "Bis heute nutzten mehr als 34.000 Audi-Beschäftigte den Check-up", sagte Dr. Rainer Göldner, Leiter des Zentralen Gesundheitswesens im Volkswagen Konzern der "Ärzte Zeitung".

Seit 2010 haben sich 18.000 VW-Mitarbeiter untersuchen lassen

Anfang 2010 begannen die Untersuchungen auch bei Volkswagen in Deutschland. Bis heute haben hier über 18.000 Menschen das Angebot des Konzerns angenommen. Außer in Deutschland startet Volkswagen das Check-up-Programm derzeit an seinen Standorten Südafrika und Brasilien. Weitere Standorte in Südamerika und Europa sollen folgen.

"Volkswagen hat eine soziale und fürsorgliche Verpflichtung und sieht zugleich eine unternehmerische Notwendigkeit", begründete Göldner das Angebot. Der Konzern sieht sich - zumindest in Deutschland - auch im Zuge des demografischen Wandels immer mehr älteren Arbeitnehmern gegenüber und dürfte mit dem Extra-Bonus der Untersuchung für bei VW einsteigende Mitarbeiter attraktiver werden wollen.

"Wir stellen fest, dass die allermeisten der Zivilisationskrankheiten außerhalb der Arbeit erworben werden", sagte Göldner. "Aber das Unternehmen muss auf die Auswirkungen reagieren, um international die Gesundheit und Fitness der Mitarbeiter zu erhalten."

Super-Check-up für VW-Mitarbeiter

Dr. Rainer Göldner, Leiter des Zentralen Gesundheitswesens bei Volkswagen

© VW Media Services

Die Untersuchung dauert rund eine Stunde und umfasst Anamnese, Labor, Lungenfunktionstest, Seh- und Hörtest, Ruhe-EKG, falls gewünscht Fitness-Test - sowie eine Body Composition Analysis, also die Messung von Fettmasse und -verteilung, Muskelmasse, Organmasse und Wasser, so Göldner.

"Aber der eigentliche Vorteil ist, dass wir den Mitarbeitern nach der Untersuchung ein etwa halbstündiges Gespräch mit dem Werkarzt anbieten", sagt der Chef der Konzern-Betriebsmedizin. "Wenn der Mitarbeiter die Untersuchung durchlaufen hat, dann können wir auch schon auf die Werte zugreifen und sie in das Beratungsgespräch mit einbeziehen."

Alkohol- oder Drogentests gehören nicht zur Untersuchung

Alkohol- oder Drogentests gehören indessen nicht zur Untersuchung. Je nach Land können aber bestimmte zusätzliche Module in das Untersuchungsprogramm aufgenommen werden, hieß es, beispielsweise der PSA-Test. Bei Bedarf werden die Mitarbeiter nach dem Gespräch an Haus- oder Fachärzte weitervermittelt.

 "Überweisen können wir als Werkmediziner nicht, aber wir können den Mitarbeitern empfehlen, als Folgemaßnahme bestimmte Fachärzte oder ihren Hausarzt aufzusuchen oder an einer Präventionsmaßnahme zur Bewegung, Ernährung oder auch Entspannung teilzunehmen", sagte Göldner.

"Die Diagnosedaten werden grundsätzlich nur intern verwendet"

Konsequenzen für die Arbeitsorganisation in den Werken sieht Volkswagen kaum. "Wir schauen in erster Linie auf die Diagnosen, weniger auf die Therapie", so Göldner. Wenn sich bestimmte Diagnosen häufen sollten, dann werde Volkswagen den Mitarbeitern neben individuellen auch "zielgruppenspezifische Gesundheitsförderungsprogramme anbieten".

Über schon bekannte häufige Diagnosen oder Schwerpunkte der bisher geleisteten Beratungen schweigt sich der Konzern ebenso aus wie über die Kosten. "Die Diagnosedaten werden grundsätzlich nur intern verwendet", sagte Göldner. Klar ist, dass die Kosten der Untersuchung sich an der GOÄ orientieren.

Zusammen mit den Kosten für die zusätzlich eingestellten Ärzte und das Assistenzpersonal dürfte der Konzern Millionenbeträge auf den Tisch legen, um die Untersuchungen zu finanzieren.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kluge Investition in die Mitarbeiter

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