Ärzte Zeitung, 01.09.2011

Gesucht: Ein bundesweites Mortalitätsregister

In vielen Ländern sind Mortalitätsregister etabliert, Deutschland hinkt hinterher. Nur in Bremen gibt es ein Register, jetzt empfehlen Wissenschaftler eine bundesweite Erfassung.

Auf der Suche nach Konzepten für ein bundesweites Mortalitätsregister

Wissenschaftler empfehlen ein bundesweites Register.

© endostock / fotolia.com

BREMEN (cben). Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten hat im Dezember 2010 dem Bundesgesundheitsministerium empfohlen, ein bundesweites Mortalitätsregister einzurichten, in dem die Informationen der Todesbescheinigungen aller Sterbefälle der Wohnbevölkerung in Deutschland erfasst werden.

Grundlage waren die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Nationales Mortalitätsregister, die sich für ein solches Register ausgesprochen hat.

Derzeit liegt die Empfehlung zur Prüfung beim BMG, sagte die Ärztin und Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Dr. Sabine Luttmann vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), der "Ärzte Zeitung".

Vorbilder für das Register sind unter anderem die USA mit dem National Death Index (NDI) am National Center for Health Statistics (NCHS) oder ähnliche Einrichtungen in England, den Niederlanden oder Skandinavien.

In Deutschland wurde bislang nur in Bremen ein Mortalitätsindex eingerichtet. In Rheinland-Pfalz befindet sich das Datenmanagementsystem Mortalität am Statistischen Landesamt noch im Aufbau, hieß es.

In Bremen wird seit 1998 eine elektronische Datenbank geführt, in die das Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) die Angaben aller Todesbescheinigungen in Bremen überträgt.

Der Index ermöglicht es, festzustellen, an welchen Erkrankungen die Gestorbenen vor ihren Tod gelitten haben, erläutert Luttmann.

Grundleiden und weitere Krankheiten sind in der Datenbank aufrufbar. "Damit lässt sich zum Beispiel die Mortalität für einzelne Bevölkerungsgruppen oder bestimmte Erkrankungen detailliert untersuchen," so Luttmann, "oder man kann den Nutzen verschiedener Versorgungsformen prüfen."

Schließlich könne auch die Datenqualität der Todesursachenstatistik von einem bundesweiten Mortalitätsregister profitieren, meint Luttmann.

Derzeit werden die Todesbescheinigungen noch in den Gesundheitsämtern gesammelt, hieß es. Bundesweite epidemiologische Mortalitäts-Erfassungen sind damit noch sehr aufwändig.

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