Ärzte Zeitung, 07.09.2011

Wie viel Information verträgt ein Patient?

Patienten und Kassenvertreter wünschen sich für die Zukunft, dass Kliniken und Praxen stärker kooperieren, wenn es darum geht, Patienten über eine Behandlung zu informieren. Bei einer Expertentagung in Köln forderten selbst Mediziner, dass Ärzte die Patienten stärker einbeziehen sollten.

Wie viel Information verträgt ein Patient?

Wenn es darum geht, die geeignete Therapie zu finden, sollte der Arzt seinen Patienten in den Entscheidungsprozess miteinbeziehen, wünschen sich Patientenvertretungen.

© Troels Graugaard / istockphoto.com

KÖLN (acg). "Ein Angebot zu entwickeln, das gleichermaßen den medizinischen Ansprüchen und den Bedürfnissen der Patienten entgegenkommt, kostet eine Menge Zeit und personelle Ressourcen", sagte Maria Hass vom Bundesverband Deutsche ILCO, der Selbsthilfevereinigung von Stomaträgern und Menschen mit Darmkrebs auf einer Fachtagung in Köln.

"Es wäre für alle Beteiligten eine Hilfe, wenn es einen größeren Austausch der Forschungsergebnisse geben würde."

Barmer GEK: Individuelle Patienteninformationen sollten überregional gefördert werden

Dr. Ursula Marschall von der Barmer GEK glaubt, dass die Zukunft der Patienteninformation und -partizipation daran geknüpft ist, dass es die Akteure schaffen, eine Gesamtfinanzierung zu finden.

"Unabhängige und auf den individuellen Behandlungsverlauf abgestimmte Patienteninformationen müssen überregional gefördert werden, Insellösungen haben keinen Sinn", sagte sie.

Einheitliche Patienteninformation bei Krebsbehandlung sinnvoll

Eine einheitliche Patienteninformation hält Marschall gerade bei der Krebsbehandlung für dringend nötig, da es in diesem Bereich viele innovative Therapieansätze gebe.

Auf die Patientenfragen müsse es gerade hier unabhängige und evidenzbasierte Antworten geben, da ein Übermaß an Informationen den Patienten nur verwirre und verunsichere, sagte sie.

Behandlungskultur der Mediziner sollte sich wandeln

Wichtig für die Zukunft der Patienteninformation und -partizipation sei auch ein Wandel in der Behandlungskultur der Mediziner, sagte Dr. Christine Schiessl vom Zentrum für Palliativmedizin an der Uniklinik Köln.

"Es muss selbstverständlicher werden, den Patienten in Entscheidungen mit einzubeziehen und es auch auszuhalten, wenn ein Patient sich gegen eine bestimmte Therapiemöglichkeit entscheidet."

"Patienten haben auch ein Recht auf Nichtwissen"

Bis dahin sei es aber an vielen Kliniken noch ein weiter Weg, sagte Gregor Bornes von der Unabhängigen Patientenberatung Köln.

"Das Therapieregime der Ärzte ist oft noch immer erhalten", berichtete er. "Wichtig in der Kommunikation mit dem Patienten ist es auch, schon bei Aufnahme in die Klinik ausreichend darüber zu informieren, was jetzt mit dem Patienten passiert, welcher Arzt wofür zuständig ist und ob es einen Patientenvertreter gibt, der sich um Beschwerden und Anliegen des Kranken kümmert."

Für Brigitte Schulte Overbeck von der Frauenselbsthilfe nach Krebs gehört zur Patientenbeteiligung auch, dass sie sich entschließen können, keine Informationen zu fordern. "Es gibt auch ein Recht auf Nicht-Wissen", sagte sie.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »