Ärzte Zeitung, 24.01.2012

Bundeswehr unattraktiv für Ärzte

Im Ausland hui, im Inland pfui: Der Sanitätsdienst der Bundeswehr schneidet im neuen Bericht des Wehrbeauftragten nicht nur gut ab. In die Kritik geraten sind vor allem die Bundeswehrkrankenhäuser.

Bundeswehr bleibt unattraktiv für Ärzte

Im Dienst der Bundeswehr - und unzufrieden.

© CoverSpot / imago

BERLIN (bee). Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), sieht die Bundeswehr weiter unattraktiv für Ärzte.

Zwar seien die dramatischen Personalverluste wie in den vergangenen Jahren gestoppt worden, dennoch gebe es eine "andauernde mangelnde Attraktivität des Sanitätsdienstes", schreibt Königshaus in seinem Jahresbericht, den er am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

Neben der Personalausstattung bleibt die truppenärztliche Versorgung im Innland weiter ein Sorgenkind.

Vor allem die Bundeswehrkrankenhäuser könnten nach den Umstrukturierungen der Standorte in den vergangenen Jahren "ihre Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen."

Nicht nur an Finanzen denken

Der Wehrbeauftragte kritisiert, dass Bundeswehrkrankenhäuser immer öfter an der Regelversorgung teilnehmen.

"Bei der Positionierung der Bundeswehrkrankenhäuser solten nicht wirtschaftliche Kriterien im Vordergrund stehen, sondern der Einsatzauftrag und die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung der Soldaten", so Könighaus.

Dem Sanitätsdienst im Auslandseinsatz attestiert Könighaus eine "hervorragende Arbeit".

Er begrüßt, dass die Sanitätstrupps gemeinsam mit den Infanteristen für den Einsatz vorbereitet werden. Allerdings fehlt es weiter an Ausbildern für die Ersthelferausbildung.

Bürokratische Abläufe behindern allerdings auch den Sanitätsdienst im Ausland. So berichtet Könighaus von Problemen bei der Versorgung mit Blutpräparaten im Einsatz, die oft nur mit Hilfe der niederländischen oder amerikanischen Armee gelöst werden können.

Versorgung bei PTBS in der Kritik

Ebenso gibt es Probleme beim Rücktransport von Schwerstverletzen, die aufgrund der Ausstattung der Transportfahrzeuge mehrfach umgelagert werden müssen, da die jeweiligen Liegen in den Fahrzeugen verbleiben müssen.

"Das ist im Hinblick auf das damit verbundene gesundheitliche Risiko nicht vertretbar", so Königshaus.

In der Kritik steht auch die Versorgung der Soldaten, die mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aus dem Einsatz zurückkehren.

Über die Hälfte der Dienstposten in der Psychiatrie sind nicht besetzt, auf Versorgungsangebote im zivilen Bereich kann oft nicht zurückgegriffen werden.

Die Grünen-Politiker Omid Nouripour, Sprecher für Sicherheitspolitik, und Agnieszka Brugger, Sprecherin für Abrüstungspolitik mahnten an, dass so schnell wie möglich "flächendeckend niedrigschwellige Anlaufstellen" geschaffen werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Willkommen in der Einsatzrealität

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »