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Ärzte Zeitung, 25.01.2012

Modellprojekt: Sprechstunde bei zwei Gemeindeschwestern

Der Oberarzt und Ortsvorsteher Dr. Detlef Kuhn erprobt auf eigene Initiative im hessischen Muschenheim ein Modell mit zwei Gemeindeschwestern, damit Hausärzte entlastet werden.

Von Sabine Schiner

LICH (ine). Das Land Hessen will drei Projekte zur Delegation ärztlicher Leistungen starten, um die Versorgung auf dem Land zu verbessern. Einen anderen Weg geht eine Initiative im Licher Stadtteil Muschenheim. Dort treten ab Februar zwei Gemeindeschwestern ihren Dienst an.

"AGnES light", nennt Ortsvorsteher Dr. Detlef Kuhn das Projekt, bei dem keine ärztlichen Leistungen delegiert, sondern Ärzte entlastet werden.

Kuhn - er arbeitet als Oberarzt an der Uniklinik Gießen - scheint mit dem Projekt ins Schwarze zu treffen. Als Ortsvorsteher versucht er seit 2005, Muschenheim für junge Familien attraktiver zu machen.

"Tausend andere Dörfer in Hessen haben das gleiche Problem", sagt er. Die Jungen zögen weg und die Infrastruktur werde immer schlechter: "Wir brauchen lebenswerte Alternativen".

Sprechstunden dreimal zwei Stunden pro Woche

Muschenheim hat knapp 1000 Einwohner. Wenn sie zum Arzt wollen, müssen sie in andere Stadtteile fahren. Ab Februar machen die Gemeindeschwestern, eine Krankenschwester und eine Arzthelferin, bei Bedarf Hausbesuche und erheben während der Sprechstunden (dreimal zwei Stunden pro Woche) Befunde wie Temperatur, Blutdruck, Blutzucker.

Alles wird in einem Checkheft dokumentiert, das die Patienten von ihren Hausärzten bekommen. Bei abweichenden Befunden oder bei Komplikationen nehmen sie sofort Kontakt zum Hausarzt auf. "Auf diese Weise kann zum Beispiel Diabetes früher erkannt werden", sagt Kuhn.

Sechs Hausärzte nehmen am Projekt teil

Bislang sei es so, dass ein Hausarzt erst dann besucht werde, wenn es nicht mehr anders geht. Die Hürde, sich in den Bus zu setzen und in den Nachbarort zu fahren, sei hoch.

Für die am Projekt teilnehmenden Hausärzte - fünf in Lich, einer in Münzenberg - bedeutet das Projekt eine Arbeitserleichterung. "Hausbesuche erfordern einen enormen Zeitaufwand auf dem Land", erklärt Kuhn.

Zudem sei die Vergütung mit 17 Euro pro Patient und Quartal unzureichend. Kuhn ist wichtig, dass das Projekt Hausärzten keine Konkurrenz macht. Deshalb werden auch keine ärztlichen Leistungen delegiert. "Wir bewegen uns in einem Bereich, der nicht umkämpft ist."

Stadt stellt Raum kostenlos zur Verfügung

Ein Jahr lang soll das Projekt erstmal laufen. Träger ist ein gemeinnütziger Förderverein. Die Finanzierung läuft über Spenden, die 25.000 Euro fürs erste Jahr sind bereits sicher. Arbeitsplatz ist ein Raum im Kommunikationszentrum, den die Stadt Lich kostenlos zur Verfügung stellt.

In einem Jahr soll das Projekt von Professor Erika Baum von der Uni Marburg wissenschaftlich ausgewertet werden.

Krankenkassenvertreter haben bereits signalisiert, dass sie bereit sind, sich an der Finanzierung zu beteiligen, wenn die Auswertung ergibt, dass Kosten gesenkt werden können und die medizinische Qualität verbessert wird.

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