Ärzte Zeitung, 20.02.2012

"Mit Standespolitik kann man etwas erreichen"

Ehrenamtlich setzt er sich für den Hausärzteverband und die KV Schleswig-Holstein ein. Hausarzt Rio Morawe weiß: Berufspolitik macht Veränderungen möglich.

Von Dirk Schnack

"Man muss in der Standespolitik dicke Bretter bohren"

Engagiert sich in der Standespolitik, um die Vorzüge der Freiberuflichkeit zu erhalten: Allgemeinmediziner Rio Morawe.

© Dirk Schnack

KIEL. Standespolitik: trocken, mühsam und nur etwas für die ältere Riege unter den Ärzten? Wer sich unter den Funktionsträgern umschaut, kann schnell diesen Eindruck gewinnen.

Rio Morawe ist mit 48 Jahren schon längst kein junger Arzt mehr - unter den engagierten Ehrenamtlern in Schleswig-Holstein aber noch immer einer der jüngeren.

Der Allgemeinmediziner aus Flintbek bei Kiel arbeitet im Vorstand des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein als Schriftführer, im Fachausschuss Hausärzte der KV und im KV-Beirat mit - was neben der Einzelpraxis viel zeitliches Engagement für einen zweifachen Familienvater bedeutet.

Viel Arbeit, aber wenig Anerkennung

Und es sind die Posten, die zwar Arbeit, aber wenig Anerkennung und schon gar keine öffentliche Aufmerksamkeit mit sich bringen. Morawe macht es trotzdem, weil er durch berufspolitisches Engagement Veränderungen bewirken will.

Denn einerseits möchte er seinen Beruf nicht eintauschen - andererseits sieht er ihn durch viele Reglementierungen eingeengt. "Man fühlt sich manchmal als Staatsangestellter unter dem Deckmäntelchen der Freiberuflichkeit und als Erfüllungsgehilfe der Krankenkassen", beschreibt Morawe die Einschränkungen in der freiberuflichen Tätigkeit.

Zwischen Budgets, Rabattverträgen, Verordnungen zu Heilmitteln und anderen Richtlinien droht nach seinem Empfinden die Freiberuflichkeit flöten zu gehen. Diese Einschränkungen ärgern ihn und sie sind diskutiert worden - mit der Folge, dass viele Nachwuchsärzte abgeschreckt werden.

Allgemeinmedizin bietet viele Vorteile

Morawe sieht aber auch die positiven Seiten. Da ist zum einen die große Bandbreite seines Berufes. "Die Tür geht auf und ich weiß nicht, was mich erwartet. Als Hausarzt behandelt man vom Fußpilz bis zum Herzinfarkt.

Das bietet einem nur die Allgemeinmedizin", beschreibt er einen Vorteil seines Faches gegenüber Spezialisten. Ein anderer Vorteil betrifft alle niedergelassenen Ärzte: "Man hat mehr Motivation als angestellte Kollegen", sagt der Hausarzt.

Von wann bis wann er arbeitet, wie viele Hausbesuche er absolviert, welche Praxisorganisation er wählt - in diesen Fragen fühlt er sich als Einzelkämpfer wenig eingeengt. Damit solche Freiheiten bestehen bleiben und eventuell ausgebaut werden können, hält er Engagement auch in der KV für erforderlich.

Die Körperschaft wird nach seinen Erfahrungen von vielen Kollegen fälschlicherweise als anonymer Fremdkörper wahrgenommen, von dem nur Anordnungen ausgehen. Dass die niedergelassenen Ärzte es selbst in der Hand haben, in der KV mit zu arbeiten und mit zu bestimmen, geht nach seiner Beobachtung dabei häufig unter.

Morawe hat inzwischen erfahren: "Es sind ganz dicke Bretter, die man in der Standespolitik bohren muss. Aber man kann etwas erreichen."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »