Ärzte Zeitung, 14.05.2012

Pädiater zieht in NRW-Landtag ein

SPD und Grüne können in Nordrhein-Westfalen mit einer komfortablen Mehrheit weiter regieren - und vermutlich wird die alte auch die neue Gesundheitsministerin. Allerdings: Nur einer der 237 Parlamentarier in Düsseldorf ist ein Arzt.

Von Anja Krüger

Pädiater zieht in NRW-Landtag ein

NRW-Landtag in Düsseldorf - jetzt mit Kinderarzt.

© Jonas Güttler / dpa

DÜSSELDORF. In den Düsseldorfer Landtag wird mit dem Sozialdemokraten Dr. Roland Adelmann überraschend doch ein Arzt einziehen.

Der 41-jährige Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin gewann für die SPD den Wahlkreis Oberbergisches Land II gegen den bisherigen CDU-Direktkandidaten Bodo Löttgen.

Adelmann arbeitet im Herzzentrum der Kinderkardiologie der Universitätsklinik Köln. Mit 41,3 Prozent der Erststimmen schnitt er deutlich besser ab als seine Partei, die in dem Wahlkreis nur 35,8 Prozent erhielt.

Wegen des Wahldebakels der CDU konnten sich viele sozialdemokratische Bewerber gegen ihre christdemokratischen Konkurrenten durchsetzen. Auf den Landeslisten der Parteien kandierten auf den aussichtsreichen Plätzen keine Ärzte.

Dem Arzt Dr. Konrad Hambrügge (CDU) gelang es nicht, dem bisherigen sozialdemokratischen Direktkandidaten Dennis Maelzer den Wahlkreis Lippe III abzunehmen.

Der ehemalige Landesgesundheitsminister und derzeitige Vorsitzende der CDU-Fraktion Karl-Josef Laumann konnte sein Direktmandat im Wahlkreis Steinfurt II verteidigen.

Schub für die nächsten fünf Jahre

Bislang fehlte der rot-grünen Minderheitsregierung eine einzige Stimme für eine eigene Mehrheit. Jetzt hat Rot-Grün mit 128 von 237 Sitzen eine stabile Mehrheit "Das Vertrauen, das wir bekommen haben, ist ein Schub für die nächsten fünf Jahre", sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

"Ich möchte unsere Politik der Vorbeugung fortsetzen." Kraft setzt auf eine vorausschauende Bildungs- und Sozialpolitik.

Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hat gute Chancen, ihr Amt zu behalten. Die bisherige Ressortverteilung sei nicht verhandelbar, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Düsseldorfer Landtag Rainer Priggen.

Neben dem Gesundheitsministerium führen die Grünen das Schul- und das Umweltressort. Steffens hat sich in ihrer 20-monatigen Amtszeit bei Ärzten viel Anerkennung erworben.

Sie tritt unter anderem für die Angleichung der Honorare der nordrhein-westfälischen Vertragsärzte an die höhere Vergütung der Kollegen in anderen Regionen ein.

Heimlicher Gewinner Lindner

Große Verlierer sind die Partei "Die Linke", die aus dem Landtag gefallen ist, und die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Die CDU fiel bei der Landtagswahl mit 26,3 Prozent auf ein historisches Tief.

"Die Niederlage ist bitter, sie ist klar, und sie tut richtig weh", sagt Röttgen. Er trat kurz nach Bekanntgabe der Prognose am Wahlabend als Landesvorsitzender der CDU zurück.

Neben der SPD gehören die erstmals in den Landtag eingezogenen "Piraten" und die FDP zu den Wahlgewinnern. Noch vor zwei Monaten hatte die FDP in Umfragen Werte von lediglich zwei Prozent erreicht.

Dass sie nun auf 8,6 Prozent kam, hat sie einer überraschend schwachen CDU und ihrem Spitzenkandidaten Christian Lindner zu verdanken.

Ihm gelang es, die verschiedenen Flügel der FDP zusammenzuführen und die Liberalen als bürgerliche Alternative zur CDU zu positionieren.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Im Nebel von Rhein und Ruhr

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »