Ärzte Zeitung, 09.07.2012

Eine private Medizin-Uni für Brandenburg?

Ab 2013 soll in Brandenburg eine eigene, private Medizinerausbildung angeboten werden - die Hausärzte loben das Projekt. Das Vorhaben ist umstritten. Gegenwind kommt vor allem aus der Hauptstadt.

Vorbehalte gegen private Medizin-Uni in Brandenburg

Vorbild für Brandenburg: Uni Witten-Herdecke.

© TriAss / imago

POTSDAM/COTTBUS (ami). Eine eigene Medizinfakultät für das Land Brandenburg - dieses Ziel verfolgen zahlreiche Brandenburger Krankenhäuser, darunter der Verbund christlicher Kliniken in Brandenburg und die Initiative öffentlicher Kliniken in Neuruppin, Brandenburg/Havel und Cottbus.

Ihr Kalkül: Wer in Brandenburg Medizin studiert, bleibt auch nach der Ausbildung da. Ihr Vorbild: die Private Medizinuni Witten-Herdecke.

"Wir sind uns der Herausforderung bewusst, wir haben unser Vorhaben deshalb solide geplant", so der Chefarzt der Ruppiner Kliniken Professor Dieter Nürnberg bei einem Streitgespräch in Potsdam.

Rückenwind für die Pläne gibt es vom Hausärzteverband Brandenburg und vom Präsidenten der märkischen Ärztekammer, Dr. Udo Wolter.

"Wenn wir die flächendeckende medizinische Versorgung in Brandenburg sicherstellen wollen, müssen wir endlich auch Ärztinnen und Ärzte hier im Land ausbilden", fordert Wolter.

Er verwies darauf, dass Brandenburg neben Bremen das einzige Bundesland ohne eigene medizinische Fakultät ist. Auch Professor Ulrich Schwantes, Vorstandsmitglied im Brandenburger Hausärzteverband, plädiert für die Hochschule.

Alte Absprachen zwischen Berlin und Brandenburg

"Wenn Aus- und Weiterbildung mit regionaler Anbindung geschehen, sollten sich soziale Wurzeln bilden können, die auch zu einer Haftung in Brandenburg führen", sagte Schwantes der Redaktion des Mitteilungsblattes der KV Brandenburg KV-Intern.

Der Allgemeinmediziner ist aktiv an den Planungen für die Medizinfakultät beteiligt.

Diese Argumente können die Kritiker jedoch nicht überzeugen. Sie verweisen vielmehr auf alte Absprachen zwischen Berlin und Brandenburg.

Anfang der 1990er-Jahre haben die Länder auf Empfehlung des Wissenschaftsrates vereinbart, dass die Hochleistungsmedizin inklusive Ausbildung in der Hauptstadt konzentriert wird und die Reha-Einrichtungen im Märkischen.

Die Landesregierung von Brandenburg stellt diese Aufteilung nicht in Frage.

Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) hatte kürzlich darauf verwiesen, dass Mecklenburg-Vorpommern trotz der Medizinerausbildung in Rostock und Greifswald mit Ärztemangel zu kämpfen habe.

Auch der Vorstandschef der Berliner Uniklinik Charité Professor Karl Max Einhäupl und Ministerialdirektor Weding von Heyden als ehemaliger Generalsekretär des Wissenschaftsrates plädierten zuletzt dafür, die Aufgabenteilung zwischen Berlin und Brandenburg weiter zu verfolgen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Irrweg private Medizin-Uni?

[10.07.2012, 12:45:39]
Jörg Dähn 
Super Idee!
Statt von aussen Ärzte anzuwerben (deren Ausbildung ca. 28.000 Euro pro Jahr gekostet hat, also gut 210.000 Euro pro Arzt), gibt man das Geld selber aus. Super Idee, kosteneffizient.( www.tagesspiegel.de/wissen/hochschulen-studienplaetze-werden-neu-berechnet/1357966.html )

Dann werden diese Ärzte vllt. noch die Facharztausbildung im Lande machen, spätestens aber zur Niederlassung nach Berlin, in die Ballungsräume des Westens abwandern oder ggf. auch ins benachbarte Ausland, wo die Gehälter höher sind. Gaaanz tolle Idee, diese Fakultät.

Insgesamt also ein guter Mechanismus, um richtig effizient die Steuergelder Brandenburgs zu verbrennen!

Die Damen und Herren der Landesregierung scheint vom gleichen intellektuellen Kaliber zu sein wie Philipp Rösler: denkt einfach mal "Mehr Studienplätze - mehr Landärzte!" Ist doch loggisch! zum Beitrag »

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