Ärzte Zeitung App, 03.12.2013

Wieder Ärger mit BER

Kritik an der Notfallmedizin

Als Passagier am neuen Hauptstadt-Flughafen krank werden? Besser nicht, warnt die Ärztekammer Berlin. Sie moniert gravierende Lücken in der Notfallversorgung.

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Erhabene Leere: Berlins teuerste Großbaustelle kommt wegen schlampiger Bauplanung nicht aus den Schlagzeilen. Nun meldet sich auch noch die Ärztekammer mit kritischen Bemerkungen zur Notfallversorgung zu Wort.

© Günter Wicker /BER

BERLIN. Um die Planungen für die medizinische Versorgung am Großflughafen Berlin-Brandenburg International (BER) steht es schlecht. Das kritisiert die Ärztekammer Berlin. Weder für Notfälle, geschweige denn für Katastrophen oder für den Seuchenfall seien ausreichende Vorkehrungen getroffen.

"Vor dem Hintergrund, dass der Hauptstadtflughafen bereits im Jahr 2011 an den Start gehen sollte, ist der Stand der bisherigen Planung im Bereich der medizinischen Versorgung erschreckend. Hier müssen die Verantwortlichen dringend nachbessern", fordert Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz.

Die Betreibergesellschaft FBB und deren Anteilseigner Berlin, Brandenburg und der Bund müssten sich gemeinsam ihrer Verantwortung stellen.

Auf dem Flughafen mit rund 20.000 Angestellten und erwarteten 75.000 Fluggästen täglich soll nach Kammerangaben nur ein Rettungswagen (RTW) mit einem Rettungsassistenten und einem Sanitäter bereitstehen. Am Rhein-Main-Airport in Frankfurt seien ständig drei bis vier Rettungswagen vor Ort.

Müssen Patienten in ein Krankenhaus gebracht werden, müssten sie am Flughafenausgang außerdem in einen anderen RTW umsteigen, denn der Flughafen-RTW dürfe gemäß dem Brandenburgischen Feuerwehrgesetz nicht am Rettungsdienst teilnehmen.

Betreiber weißt die Vorwürfe zurück

Am Flughafen selbst sind den Angaben zufolge derzeit jedoch keine Behandlungsmöglichkeiten vorgesehen. Investoren für ein ehemals geplantes Gesundheitszentrum haben sich laut Kammer inzwischen zurückgezogen.

Als "absolut unzureichend" bezeichnet Kammervorstandsmitglied Dr. Werner Wyrwich zudem die Regelungen für den Katastrophen- und den Seuchenfall. Zum einen sei kein Tropenmediziner vor Ort, der Infektionen sicher diagnostizieren könnte.

Zum anderen reichen laut Kammer die RTW in dem zuständigen Landkreis Dahme-Spree nicht aus, um die Versorgung zum Beispiel bei einer Notlandung mit 20 Betroffenen sicherzustellen. Hier müsste der Landkreis laut Kammer erst Berlin um Amtshilfe bitten. Dann würde die Hauptstadt weitere RTW zum Flughafen schicken, falls sie nicht anderswo gebraucht werden.

"Durch lange Anfahrtswege und verteilte Kompetenzen könnten Menschenleben gefährdet werden. Hier müssen sich Berlin und Brandenburg sowie der Bund schnell auf Sonderregelungen verständigen und notwendige Ressourcen bereitstellen", fordert der Notfallmediziner Wyrwich.

Die Flughafengesellschaft hat die Vorwürfe in der "Berliner Morgenpost" zurückgewiesen. In einem mit den Behörden abgestimmten Flughafennotfallplan seien alle erdenklichen Notfälle erfasst, Alarmierungsverfahren und -checklisten festgelegt sowie Notfallverfahren zur Behandlung der Notfälle beschrieben, hieß es dort. (ami)

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