Ärzte Zeitung online, 12.12.2013

Kommentar zum Komasaufen

Mehr Gespräche am Klinikbett!

2012 landeten wieder mehr Jugendliche nach einem Vollrausch in der Klinik. Erwachsene stehen hilflos dem jugendlichen Trinkgelage gegenüber.

Von Rebecca Beerheide

Weniger Jugendliche trinken, rauchen und kiffen - doch die, die zur Flasche greifen, wachen oft wieder im Krankenhaus auf. Die neusten Zahlen zur Statistik von jugendlichen Komasäufern sind erschreckend: In Sachsen-Anhalt gab es eine Steigerung von 12,5 Prozent bei den Komasäufern.

In anderen Bundesländern stieg die Zahl weniger stark, dennoch ist das Niveau sehr hoch: Jeder der rund 26.000 Fälle im Jahr 2012 sind einer zu viel.

Mit dem strikten Verkaufsverbot von Alkohol nach 22 Uhr, wie es Baden-Württemberg praktiziert, scheint der Südwesten Erfolg zu haben - die Zahl Komasäufer ging um 6,5 Prozentpunkte zurück. Aber auch hier: Die 3657 statistisch erfassten Fälle sind genau 3657 Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen zu viel.

Doch warum greifen teure Präventionskampagnen, Schulungen für Supermarkt-Kassenpersonal oder Verkaufsverbote von Alkohol nicht? Erwachsene versuchen seit Jahren die extremen Trinkgewohnheiten der Jugendlichen zu ergründen - und scheitern mit ihren Ideen.

Das exzessive Trinken von Alkohol in Gruppen ist bei einigen Jugendlichen sehr anziehend. Viele wollen Gleichaltrigen beweisen, wer länger und mehr schafft. In diesem Alter in der Gruppe "Nein" zum Schluck aus der Flasche zu sagen, ist ungeheuer schwer.

Trotz Verbote oder Strafen kommen viele Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren an Alkohol heran - sei es in Supermärkten, durch Eltern, Bekannte oder ältere Geschwister. Später im Krankenhaus spielen Angehörige und Freunde oft die Überraschten, die nichts über den Alkoholkonsum der Minderjährigen wissen wollen. Den Eltern ist es peinlich, ihre Teenager in der Klinik abzuholen - und wehren oft Gespräche mit Sozialarbeitern ab.

Doch genau am Krankenbett muss angesetzt werden, wenn es um wirkungsvolle Prävention gehen soll. Nur wer Eltern von solchen Gesprächen überzeugen kann und gleichzeitig das Selbstbewusstsein der Jugendlichen für ein "Nein" zum Alkohol fördert, der wird auf lange Sicht Erfolg bei der Prävention von Volltrunkenheit haben.

Lesen Sie dazu auch:
2012: 25.600 Jugendliche saufen sich in Klinik

[12.12.2013, 16:38:56]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Die Alten hängen bis zum Tod an der Flasche?
Wie an Hand bayrischer Landesstatistiken hochgerechnet, stehen den bundesweit 25.600 Jugendlichen b i s 20 Jahre (13 Prozent), die mit Alkoholvergiftungen im Krankenhaus behandelt wurden, 171.323 e r w a c h s e n e Patientinnen und Patienten (87 Prozent) über 20 Jahre gegenüber, die nach dem Trinken von Alkohol akut intoxikiert in einer Klinik versorgt werden mussten. Genau mit diesen durchaus jämmerlichen "Vorbildern" müssten "Mehr Gespräche am Klinikbett" geführt werden. Denn es sind "Die Alten", die bis zu ihrem Tod an der Flasche hängen.
Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/851935/2012-25600-jugendliche-saufen-klinik.html
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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