Ärzte Zeitung, 17.04.2015

Kommentar

Kostenfalle Rauchen

Von Helmut Laschet

Es ist eine wirklich schlechte Botschaft, die eine neue Studie zu den direkten und indirekten Folgekosten des Rauchens und der dadurch verursachten Krankheiten enthält: Sie sind weit höher, als bislang angenommen worden ist, und addieren sich derzeit auf jährlich 79 Milliarden Euro.

Diese enorme Belastung wird aller Wahrscheinlichkeit nach weiter steigen. Ursächlich dafür ist, dass Frauen vor einigen Jahrzehnten begonnen haben, männliches (Fehl-)Verhalten nachzuahmen: Vor allem in den jüngeren Jahrgängen bis etwa Mitte 45 liegt der Anteil der Raucherinnen nahe am Anteil der männlichen Raucher. Gerade in unteren Bildungsschichten liegt der Raucheranteil gleichermaßen bei Männern und Frauen bei rund 50 Prozent.

Die Folgen lassen sich an der Lungenkrebsinzidenz ablesen: Sie stieg bei Männern in den vergangenen vier Jahren um 1,5 Prozent, bei den Frauen jedoch um 15 Prozent.

40 Prozent der neu entdeckten Bronchialkarzinome entfallen inzwischen auf Frauen. Das ist auch ein Kostendesaster für die Kranken- und Rentenversicherung, die die Folgelasten der Tabak-assoziierten Krankheiten tragen müssen: aufgrund wachsender Behandlungskosten, aber auch wegen der Produktivitätsausfälle.

Lesen Sie dazu auch:
Rauchen: Tabaksucht ist für die Gesellschaft teurer als gedacht

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »