Ärzte Zeitung, 28.01.2016

Sexualisierte Gewalt

Schulungen für Ärzte

Viele Frauen, die bei uns Zuflucht suchen, sind Opfer von Sexualstraftaten. Medica Mondiale will helfen.

BERLIN. Die Gründerin der medizinischen Hilfs- und Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale, Dr. Monika Hauser, will Ärzte und Sozialbetreuer im Umgang mit traumatisierten Frauen aufklären und schulen.

Schließlich seien Gynäkologinnen oder Hausärztinnen oft die ersten Ansprechpartner für Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren. Mit dem Angebot richtet sich Medica Mondiale vor allem an jene Fachkräfte, die Flüchtlinge und Asylsuchende betreuen.

Mit der NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens stehe man im engen Kontakt, um eine entsprechende Fortbildung für Beschäftigte im Gesundheitswesen als Pilotprojekt auf den Weg zu bringen.

Geplant sei, so Bereichsleiterin Karin Griese, zunächst Fachkräfte mit traumatherapeutischen Ausbildungen zu Trainerinnen auszubilden. Sie sollen anschließend den trauma-sensiblen Ansatz an Ärzte, Psychologen, Flüchtlingsbetreuer und Ehrenamtliche weiter vermitteln. In einem zweiten Schritt werden Multiplikatoren angesprochen, die im Gesundheitswesen oder in Kommunalverwaltungen in der Flüchtlingshilfe tätig sind.

Medica Mondiale reagiert mit dem Fortbildungsangebot auf die gestiegenen Nachfragen, die das Kölner Büro seit Sommer 2015 erreichen. Hauser ruft dazu auf, sexualisierte Gewalt nicht weiter zu tabuisieren. "Die Wegschaukultur muss ein Ende haben", sagte sie der "Ärzte Zeitung".

Nötig sei in Deutschland "eine differenzierte und ehrliche gesellschaftliche Debatte über die Wurzeln von sexualisierter Gewalt.

Laut Kriminalstatistik des Bundesinnenministeriums werden jährlich 8000 Fälle von Vergewaltigungen und sexueller Nötigung in Deutschland angezeigt. Die Dunkelziffer liegt laut einer EU-Studie bei etwa 100.000 Fällen pro Jahr.

Hauser betonte, dass es nicht nur um die Vorfälle in der Silvesternacht gehe, sondern darum, den Umgang mit sexualisierter Gewalt zu ändern. "Frauen werden respektiert - das gilt es zu vermitteln, und zwar allen und jedem, ganz gleich, welche Hautfarbe er hat." (wer)

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