Ärzte Zeitung, 15.03.2016

Bremen

Zahl der Rettungsfahrten wächst rasant

Einen jährlichen Zuwachs von etwa 6000 Einsätzen der Rettungswagen verzeichnet die Bremer Feuerwehr. Nicht selten müssen die Rettungskräfte wegen Lappalien ausrücken.

Von Christian Beneker

BREMEN. Die Rettungswagen in Bremen müssen immer häufiger ausrücken. "Wir haben in den letzten Jahren einen jährlichen Zuwachs von rund 6000 Fahrten", sagte ein Sprecher der Bremer Feuerwehr der "Ärzte Zeitung". Im Jahr 2015 zählte die Feuerwehr rund 73.000 Einsätze. Dabei arbeiten an der Weser bereits drei private Dienste mit, die nur für Krankentransporte zuständig sind und die Feuerwehr entlasten sollten.

Die Belastung führt unter anderem dazu, dass die gesetzlich festgelegte zehn-Minuten-Frist zwischen Alarm und Ankunft des RTW am Einsatzort in Bremen nur in 87 Prozent aller Fälle eingehalten werden kann. Vorgeschrieben sind 95 Prozent. Auch das Personal leide unter dem ständig wachsenden Arbeitsdruck.

Die Krankmeldungen unter den Rettungskräften hätten sich in den zurückliegenden fünf Jahren verdoppelt. Der Krankenstand sei von rund vier Prozent im Jahr 2011 auf derzeit mehr als sieben Prozent gestiegen, hieß es. Die Gründe für den Anstieg der Einsatzzahlen sind unterschiedlich. Offenbar werden die RTW immer häufiger wegen Lappalien alarmiert.

"Wir sind schon wegen Kopfschmerzen am späten Samstagabend ausgerückt", sagte der Sprecher, "oder weil sich jemand beim Kartoffelschälen in die Finger geschnitten hat." Viele Patienten bestünden dann darauf, auch mit kleineren Problemen ins Klinikum gebracht zu werden.

Gesundheitsbildung fehlt

Die Gefahr sei, dass der RTW dann wegen Kleinigkeiten im Einsatz sei, wenn er für tatsächliche Notfälle nicht einsatzfähig ist. "Hier muss die Gesundheitsbildung verbessert werden", sagte dazu Jörn Hons, Sprecher der AOK Bremen/ Bremerhaven.

 "Vielen Menschen ist das Know How für die Behandlung kleinerer Blessuren verloren gegangen, aber auch das Körpergefühl für die Frage: Wann bin ich richtig krank und brauche Hilfe und wann habe ich nur ein kleines Problem."

Umgang mit 112 nicht gelernt

Auch Migranten wählen offenbar häufiger bei Kleinigkeiten die "112" und halten so die RTW auf Trab. "Viele Migranten wissen es einfach nicht, dass der RTW nur für Notfälle gedacht ist. "Wir sind weltweit das einzige Land mit doppelter Facharztschiene. Migranten kennen unser System eben nicht aus ihren Heimatländern und lassen sich dann mit ihren gesundheitlichen Problemen direkt ins Krankenhaus fahren. Der Umgang mit der 112 wurde nicht gelernt."

Die Zunahme der Fahrten habe aber auch strukturelle Gründe, etwa den demographischen Wandel. So rücken die Wagen immer häufiger für alte Menschen aus, die zum Beispiel gestürzt sind, sagte der Feuerwehr-Sprecher. Auch die Zahl der Krankentransporte von einer Klinik in die andere nehmen an der Weser immer mehr zu, weil die einzelnen Krankenhäuser sich auf bestimmte Diagnosen spezialisiert haben, müssen die Patienten mit mehreren Erkrankungen von Haus zu Haus gefahren werden.

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