Ärzte Zeitung online, 18.05.2016

Vor EU-Entscheidung

BUND überreicht Unterschriften gegen Glyphosat

Vertreter der EU-Staaten beraten heute über die weitere Zulassung von Glyphosat. Umweltschützer haben mehr als 100.000 Unterschriften gegen das möglicherweise krebserregende Herbizid gesammelt - und die Politik ist sich weiter uneins.

BERLIN. Unmittelbar vor der EU-Entscheidung über eine weitere Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat erhöht der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) noch einmal den Druck. In Berlin übergab die Umweltschutzorganisation am Mittwoch mehr als 142.000 Unterschriften an das Bundeslandwirtschaftsministerium, um die Wiederzulassung des umstrittenen Pflanzengifts im letzten Moment zu stoppen.

Die BUND-Pestizidexpertin Heike Moldenhauer erklärte, ein deutsches Nein in Brüssel oder eine Enthaltung wären "ein klares Signal, dass mit diesem Gift etwas nicht stimmt".

Entscheidung bis Donnerstag

Die EU-Zulassung für Glyphosat endet am 30. Juni. Bis Donnerstag soll der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel in Brüssel entscheiden, ob diese Zulassung verlängert wird. In dem Ausschuss sind die EU-Staaten vertreten.

Das deutsche Abstimmungsverhalten ist noch unklar. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) ist für die weitere Zulassung, die SPD-Minister sind wegen möglicher Gesundheitsrisiken dagegen. Moldenhauer betonte, der Krebsverdacht sei nicht ausgeräumt. Aus dem Agrarministerium hieß es jedoch, die Befürchtungen der Umweltschützer würden nicht geteilt.

Bauern sind sich uneins

Die Bauern in Deutschland sind beim Umgang mit Glyphosat gespalten wie die Politik: Die einen halten den Unkrautvernichter für unverzichtbar, die anderen für gefährlich und überflüssig.

"Glyphosat ist ein einfacher Problemlöser", sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Franz Joachim Bienstein. Der Landwirt aus der Nähe von Wismar setzt das Gift gelegentlich ein, um stark verunkrautete Äcker zu behandeln.

Die AbL-Bundesvorsitzende Gertraud Gafus aus Bayern hingegen fordert von der Bundesregierung, sich gegen die Wiederzulassung des Wirkstoffs in der EU auszusprechen.

Fast jeder konventionelle Betrieb nutzt es

Konventionelle Betriebe, die ohne Glyphosat wirtschaften, dürften nach Ansicht des Bauernverbandes im Agrarland Mecklenburg-Vorpommern schwer zu finden sein. In der Pflanzenbau-Genossenschaft in Warin mit 2800 Hektar Land erspart der Unkrautvernichter das Pflügen und damit Zeit und Diesel, wie der Vize-Vorstandsvorsitzende Daniel Bohl sagt. Die Schläge würden nur jedes dritte Jahr gepflügt, etwa wenn auf Weizen Gerste folge.

"Vernünftige Landwirtschaft braucht kein Glyphosat", ist dagegen der Bio-Landwirt Jens Rasim überzeugt. Bio-Bauern dürfen kein Glyphosat anwenden. Der Geschäftsführer des Gutes Gallin im Landkreis Ludwigslust-Parchim meint, eine gute Fruchtfolge und die mechanische Bodenbearbeitung machten das Gift auf dem Acker überflüssig. "Es ist nicht der richtige Weg, immer mehr Dünger und Chemie einzusetzen", mahnt er.

Doch viele Landwirte wollen nicht mehr pflügen. Bohl zählt die Vorteile auf: Die pfluglose Bearbeitung sei bodenschonend, erhalte die Bodenstruktur, mache die Äcker weniger anfällig für Wind- und Wassererosion, reduziere das Befahren der Felder und damit den Schadstoffausstoß. Ohne Glyphosat wäre der Verzicht auf den Pflug unmöglich. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »