Ärzte Zeitung, 24.06.2016

Weltdrogenbericht

Drogensucht: Über 200.000 Tote weltweit

WIEN. Der Gebrauch von Heroin nimmt wieder zu, die Gefahr von Haschisch wird unterschätzt und viele neue Substanzen für Designer-Drogen überschwemmen den Markt - das sind wesentliche Ergebnisse des Weltdrogenberichts der Vereinten Nationen.

Nach UN-Angaben sind weltweit 29 Millionen Menschen wegen Drogensucht schwer krank, das sind zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Zudem seien etwa 1,6 Millionen Heroinsüchtige mit HIV und sechs Millionen mit HCV infiziert.

Das habe auch mit dem häufigeren Spritzen von Heroin in den USA und Europa zu tun, si die Expertin der UN-Drogenbehörde, Angela Me, in Wien. 207.000 Menschen seien 2014 als Folge des Konsums illegaler Drogen gestorben. Diese Zahl sei eine sehr konservative Schätzung, sagte Me.

Warnung vor Cannabis-Verharmlosung

Fast 250 Millionen Menschen konsumierten Haschisch, Kokain, Heroin oder synthetisch hergestellte Designer-Drogen. Die häufigste illegale Droge ist Cannabis mit fast 183 Millionen Konsumenten."Cannabis schädigt die Gesundheit", warnte Me vor einer Verharmlosung.

 In den USA und in Südamerika, wo einzelne Bundesstaaten oder Länder, Cannabis legalisiert haben, sei der Trend besorgniserregend. "Es gibt dort eine steigende Zahl von regelmäßigen Konsumenten", sagte Me.

Die Drogen-Mafia mischt laut UN-Bericht außerdem immer neue Gift-Cocktails: 75 neue aufputschende und enthemmende Substanzen sind der UN-Drogenbehörde (UNODC) im vergangenen Jahr von den Fahndern gemeldet worden. "Die Zahl steigt immer weiter. Es ist ein sehr dynamischer Markt", sagte die UN-Expertin.

 Etwa 20 Millionen Menschen nehmen nach UNODC-Angaben vom Donnerstag Ecstasy, fast 36 Millionen greifen zu Amphetaminen. Rund 170 Tonnen Designer-Drogen wurden laut Report 2014 beschlagnahmt.

Die Hauptroute des Drogenschmuggels gehe weiter von Afghanistan, über den Iran, die Türkei und den Balkan nach Europa. Dort würden jährlich Drogen im Wert von 28 Milliarden Dollar (24,8 Milliarden Euro) geschmuggelt, hieß es.

Aufgrund des hohen Fahndungsdrucks im Iran und der Türkei - dort wird ein erheblicher Teil der jährlich rund 130 Tonnen Rohopium aus Afghanistan beschlagnahmt - gewinne nun die Route über Afrika an Bedeutung. Es bestehe damit die Gefahr, dass afrikanische Länder nicht nur Transitstaaten, sondern Konsumentenstaaten würden, hieß es von der UN-Drogenbehörde.

Kokain spielt nach Darstellung der UN in Asien eine zunehmend wichtigere Rolle, in den USA nimmt seine Bedeutung eher ab. Die UN gehen davon aus, dass weltweit 18 Millionen Menschen Koks nehmen. 655 Tonnen Kokain wurden von den Fahndern 2014 aus dem Verkehr gezogen. (dpa)

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