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Schwangerschaftsabbrüche

Heftiger Streit um Arzt, der Abruptio verweigert

Im Dezember 2016 hat er sein Amt angetreten, jetzt verweigert der neue Chefarzt der Gynäkologie einer Klinik in Dannenberg Schwangerschaftsabbrüche aus Gewissensgründen. Die Aufregung in Niedersachsen ist groß.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:

DANNENBERG. Im Streit um die Verweigerung von Schwangerschaftsabbrüchen in der Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik im niedersächsischen Dannenberg hat die Capio Konzernmutter das niedersächsische Haus kritisiert.

"Wir respektieren die Entscheidung des einzelnen Arztes", sagt Martin Reitz, Geschäftsführer der Capio Deutsche Klinik GmbH in Fulda. "Gleichwohl stehen für uns der individuelle Wunsch und das gesundheitliche Wohl der Patientinnen stets an erster Stelle." Capio sei weltanschaulich neutral und konfessionsübergreifend, hieß es. Man werde "mit gynäkologischen Fachabteilungen Frauen daher auch weiterhin Abtreibungen nach der gesetzlich vorgesehenen, eingehenden Beratung ermöglichen." Damit hat der Konzern die Haltung und die Praxis in Dannenberg zurück gewiesen.

Gesundheitsministerin übt Kritik

Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) kritisierte die Entscheidung. "Den betroffenen Frauen bleibt dann nur noch, in entsprechende Kliniken und Arztpraxen in den unmittelbar angrenzenden Landkreisen auszuweichen, in denen die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs sichergestellt ist", hieß es.

Rundt deutete an, dass der Sicherstellungsauftrag durch die Haltung in Dannenberg berührt sein könnte und damit die Investitionszuschüsse des Landes. "Eine Geldkürzung ist nicht vorgesehen", so das Haus auf Nachfrage. Aber: "Wir prüfen die Möglichkeit, dass die Umfänglichkeit des Leistungsangebotes innerhalb des bestehenden Versorgungsauftrages künftig stärker als bisher bei Auswahlentscheidungen im Rahmen der Vergabe von Fördermitteln berücksichtig wird."

Bei der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft sieht man Rundts Vorstoß kritisch. Die Landeszuschüsse hingen nicht davon ab, ob Schwangerschaftsabbrüche gemacht würden oder nicht, hieß es. "Der Versorgungsauftrag hängt nicht an einzelnen Leistungen, sondern macht sich an Fachabteilungen fest", sagte Verbandsdirektor Helge Engelke zur "Ärzte Zeitung". Bis Redaktionsschluss war aus dem Dannenberger Krankenhaus keine Reaktion auf die Kritik zu erhalten. Man sei im Gespräch, hieß es.

Thomas Börner lehnt als bekennender Christ Schwangerschaftsabbrüche nach sozialer Indikation ab. Er wolle nicht töten, so Börner zur Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Er ist der neue Chefarzt der Gynäkologie am Capio Klinikum Lüchow-Dannenberg. In seiner Abteilung wurden im vergangenen Jahr 31 Schwangerschaften entsprechend der gesetzlichen Vorgaben abgebrochen. Börner selbst habe noch nie eine Abtreibung vorgenommen, sagte er der HAZ.

"Ich trage die Entscheidung mit"

Zu seinem Amtsantritt im Dezember 2016 hat Börner seine Haltung klar gemacht. Der dpa sagte der Klinikgeschäftsführer Markus Fröhling: "Ich trage die Entscheidung mit." Man könne keinen Arzt zu einem Schwangerschaftsabbruch verpflichten. "Wenn die Gesundheit der Frau in Gefahr ist, handelt es sich um eine medizinische Indikation, die natürlich auch bei uns behandelt werden würde", betonte Fröhling.

Diese Auseinandersetzung ist nicht die einzige in Niedersachsen. Auch das christliche Agaplesion Krankenhaus in Schaumburg macht keine Schwangerschaftsabbrüche. Aber hier nehmen sie niedergelassene Ärzte in den Räumen des Krankenhauses vor.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Seltsame Aufregung

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