Depression

Online-Selbsthilfe auch auf arabisch

Mancher Flüchtling leidet unter Depressionen vom Erlebten. Ein Selbsthilfe-Programm auf arabisch namens "iFightDepression" könnte helfen und soll ein kulturelles Problem angehen.

Veröffentlicht:
Ein digitales Angebot hilft Betroffenen mit leichteren Depressionsformen, ihre Erkrankung besser zu verstehen.

Ein digitales Angebot hilft Betroffenen mit leichteren Depressionsformen, ihre Erkrankung besser zu verstehen.

© ViennaFrame / stock.adobe.com

LEIPZIG. Das Online-Selbsthilfe-Programm „iFightDepression“ können nun auch arabischsprachige Patienten nutzen. Das Programm helfe Betroffenen mit leichteren Depressionsformen, ihre Erkrankung besser zu verstehen und zeige ihnen Übungen für den Alltag, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Depressionshilfe. Die arabische Version richtet sich vor allem an Migranten in Deutschland und soll helfen, Sprachbarrieren und Versorgungsengpässe zu überbrücken.

Psychisch erkrankte Flüchtlinge haben es besonders schwer, Hilfe zu finden. Es fehlen Psychotherapeuten und Ärzte, die sie in ihrer Muttersprache behandeln können“, erklärt Professor Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Mit der arabischen Version des „iFightDepression“-Programms solle die Versorgungssituation für die Patienten verbessert werden. Viele von ihnen würden sonst gar keine Unterstützung bekommen, so Hegerl.

„IFightDepression“ ist an die kognitive Verhaltenstherapie angelehnt. Durch Übungen lernen Betroffene zum Beispiel, den Schlaf zu regulieren und negative Gedankenkreise zu durchbrechen, heißt es in der Mitteilung. Informiert werde auch über das deutsche Gesundheitssystem und über Anlaufstellen bei psychischen Erkrankungen.

Das Deutsche Bündnis gegen Depression wurde bei der Übersetzung und der kultursensitiven Anpassung von einem externen Expertengremium unterstützt. „Das Krankheitsbild der Depression ist im arabischen Kulturkreis ein anderes“, erläutert Weam Jalbout, Mitglied im Expertengremium und Assistenzarzt in der Transkulturellen Institutsambulanz LVR-Klinikum Düsseldorf. „So werden für Europäer typische Depressionssymptome wie Interessenslosigkeit und Antriebslosigkeit im arabischsprachigen Raum anders zum Ausdruck gebracht.

Problem: Kulturelles Schweigen

Es werden eher körperliche Symptome wie eine Beeinträchtigung des Schlafes, der Energie und des Körpergefühls empfunden“, sagt Jalbout. Patienten erlebten und beschrieben dies zusammengefasst wie eine große Erschöpfung. Zudem sei es im arabischen Kulturkreis nicht angesehen, Probleme und Gefühle einem Menschen außerhalb der eigenen Familie preiszugeben. Deshalb wurden die Übungen im „iFightDepression“-Programm an diese kulturellen Besonderheiten angepasst.

Studien belegen die Wirksamkeit von Online-Programmen vor allem dann, wenn sie professionell, zum Beispiel vom Hausarzt, begleitet werden. Vor diesem Hintergrund sei „iFightDepression“ nur für Patienten zugänglich, die dabei professionell begleitet würden.

Als Begleiter des „iFightDepression“-Tools in arabischer Sprache können sich Ärzte, Psychotherapeuten und Fachpersonal aus der Flüchtlingshilfe qualifizieren. Nachdem sie ein CME-zertifiziertes kostenfreies Online-Training durchlaufen haben, können sie Patienten zur Nutzung einladen. Das „iFightDepression“-Tool ist sowohl für Fachpersonal als auch für Patienten kostenfrei.

Laut Ulrich Hegerl sind die digitalen Angebote aber nicht für schwere Depressionen geeignet. „Es wäre fatal zu glauben, dass ein Online-Selbstmanagement-Programm dann eine ausreichende Behandlung darstellt“, sagt er.Das Programm ist auch auf deutsch und in elf weiteren Sprachen verfügbar. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Abgabehonorar

Apothekerpräsident Preis kündigt „Frühling der Proteste“ an

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Porträt: Dr. Jörg Sandmann | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

© Porträt: Dr. Jörg Sandmann | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Der hypogonadale Patient in der Hausarztpraxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)

Atypischer Ansatz zur Therapie der Depression

Tianeptin – breite Wirksamkeit durch multimodales Wirkprinzip

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Hormosan Pharma GmbH, Frankfurt a.M.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

NutriNet-Santé-Studie

Viel Konservierungsstoffe in der Nahrung – erhöhtes Krebsrisiko?

Datenanalyse

Demenzschutz durch Zosterimpfung: Studie liefert erneut Hinweise

Lesetipps
Ein Hausarzt lädt in seiner Praxis Dokumente in eine elektronische Patientenakte „ePA“.

© Daniel Karmann/dpa

Neue Funktion

E-Patientenakte: Volltextsuche für Ärzte geplant

So bitte nicht! Leichter kann man es Hackern kaum machen.

© Oleksandr Latkun/imageBROKER/picture alliance

Update

Datenschutz

Tipps: Darauf sollten Praxisteams bei Passwörtern achten