Ärzte Zeitung, 13.05.2008

Analoga-Versorgung für Kinder sicher

Bundesgesundheitsministerium korrigiert Bundesausschuss: Therapieumstellung wäre unzumutbar

BERLIN (HL). Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, die an Diabetes mellitus Typ 1 leiden, können weiter auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen mit kurzwirksamen Insulinanaloga behandelt werden. Das hat das Bundesgesundheitsministerium dem Bundesausschuss bei der Neufassung der Arzneimittel-Richtlinien zur Auflage gemacht.

Im Februar hatte der Bundesausschuss beschlossen, dass kurzwirksame Insulinanaloga von den gesetzlichen Krankenkassen nur noch dann bezahlt werden dürfen, wenn im Vergleich zu Humaninsulin keine Mehrkosten entstehen (wir berichteten). Die Preisdifferenz zwischen Analoga und Humaninsulin führt dazu, dass die Tagestherapiekosten mit Analoga etwa 50 Cent höher liegen.

Umstellung auf Humaninsulin spart nur sehr wenig.

Die Richtlinie hat das Bundesgesundheitsministerium grundsätzlich genehmigt, für Kinder und Jugendliche aber eine Ausnahme verfügt. Es sei nicht absolut sicher, so das Ministerium, dass über Rabattverträge Mehrkosten der Analoga ausgeglichen werden. Dann käme es zum Verordnungsausschluss. Dieser Ausschluss sei aber für Versicherte unter 18 Jahren "unzumutbar".

Diabetes mellitus Typ 1 sei eine angeborene, nicht Lebensstil bedingte Erkrankung, bei der die Insulintherapie notwendig zum Überleben ist. Eine Umstellung der Insulintherapie fordere von Patienten eine "über das übliche Maß hinaus gehende Therapietreue, vor allem eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten". Eine entsprechende Eigenverantwortung für die Änderung der Ernährungsgewohnheiten könne von Minderjährigen jedoch nicht verlangt werden.

Außerdem rechtfertigten es die zu erwartenden geringen Einsparungen bei den Kassen nicht, Minderjährigen eine entsprechende Eigenverantwortung abzuverlangen. Dies sei "unzumutbar und unverhältnismäßig". Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft begrüßte die vom Bundesgesundheitsministerium angeordnete Richtlinienkorrektur.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Bundestag macht den Weg frei für Cannabis auf Rezept

13:12Ärzte können Hanf als verschreibungspflichtiges Medikament verordnen. Nach jahrelanger Debatte hat das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu geregelt. Krankenkassen müssen die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »