Ärzte Zeitung, 20.02.2009

Grünes Rezept ersetzt den Merkzettel

Wenn es um die Empfehlung rezeptfreier Arzneimittel geht, hat der unverbindliche Merkzettel ausgedient. Ärzte setzen mit großer Mehrheit auf das Grüne Rezept.

Von Florian Staeck

Das hat eine nicht-repräsentative Umfrage der "Ärzte Zeitung" ergeben, an der etwa 700 Leser teilgenommen haben. Demnach sprechen sich über 83 Prozent der antwortenden Ärzte dafür aus, ein Grünes Rezept auszustellen, wenn sie ihren Patienten ein nicht-verschreibungspflichtiges Rezept empfehlen wollen. Die Allgemeinärztin Irmtraud Hübner-Roehl aus Osnabrück begründet diese Entscheidung so: "Arzneimittelsicherheit geht vor. Ich habe einen Überblick über die Medikamentierung und erläutere Risiko und Wirkung. Die Compliance wird so verbessert." Dagegen votieren nur knapp 16 Prozent der Umfrageteilnehmer (Mehrfachantworten waren möglich) für ein (blaues) Privatrezept. Dr. Ulrike Neuschütz-Welle, Allgemeinärztin aus Offenburg, warnt sogar davor: "Blaue Privatrezepte werden von mancher Kasse anhand des KV-Stempels dem Patienten bezahlt und dem Arzt auf das Medikamentenbudget angerechnet", berichtet sie. Dagegen setzt ihr Kollege Dr. Norbert Schweig aus Saarbrücken auf das - bei ihm weiße - Privatrezept, "um die private Leistung zu betonen". Das Grüne Rezept "verwirrt" nach seiner Erfahrung die Patienten.

Nur wenige Ärzte geben eine mündliche Empfehlung

Nur ein geringer Teil der Ärzte - knapp 14 Prozent - gibt ihren Patienten eine mündliche Empfehlung und verweist sie dann, wie das der Internist Dr. Friedrich Bange aus Peitz tut, für die Frage nach den Kosten an den Apotheker. Nach Zahlen des Marktforschers IMS Health ist der Anteil der OTC-Verordnungen auf dem Grünen Rezept stabil. Er schwankte im vergangenen Jahr nur geringfügig zwischen 58 bis 59 Prozent bei allen Verordnungen von rezeptfreien Arzneien. IMS Health erfasst diese Daten auf Basis einer repräsentativen Stichprobe, bei der niedergelassene Ärzte der wichtigsten Fachgruppen auf ihr Diagnose- und Therapieverhalten hin befragt werden.

Am kommenden Mittwoch lesen Sie: Welche Funktionen das Grüne Rezept für die Ärzte hat.

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