Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 15.03.2010

"Ärzte brauchen bei der Arzneitherapie Entlastung" - Unterstützung für Rösler

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Garg plädiert für eine Entbürokratisierung der GKV- Arzneimittelversorgung.

KIEL (di). Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) bekommt für seine umstrittenen Einsparvorschläge im Pharmasektor Unterstützung aus dem Norden. Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg begrüßte die Pläne seines Parteifreunds. "Strukturelle Veränderungen sind in diesem Bereich schon seit langer Zeit zwingend notwendig", sagte Garg. Die von Rösler angestrebte Aushandlung von Medikamentenpreisen zwischen Krankenkassen und Pharmaindustrie unter der Berücksichtigung von Kosten-Nutzen-Analysen könnte nach Ansicht Gargs zu mehr Transparenz und Kosteneffizienz führen.

"Hier können zwei gleichstarke Verhandlungspartner auf Augenhöhe verhandeln", meinte Garg. Von der Kritik der Opposition zeigte sich Garg verwundert, weil "ausgerechnet diejenigen, die in den letzten Jahren für die Positionierung gegenüber der Pharmaindustrie verantwortlich waren, nun konstruktive Beiträge in der Diskussion vermissen lassen."

Neben Röslers Vorschlägen regte Garg eine Entbürokratisierung an: "Wir sollten im Arzneimittelbereich diejenigen in ihrer Arbeit entlasten, die durch die jetzigen Regelungen mit zusätzlichen Haftungsfragen konfrontiert werden: Die niedergelassenen Ärzte". Der Minister verwies darauf, dass die verordnenden Ärzte zurzeit bei der Überschreitung der Dosiereinheiten finanziell zur Verantwortung gezogen werden. "Das führt dazu, dass der einzelne Arzt, der keinen Einfluss auf die Produktpolitik der pharmazeutischen Industrie, keinen Einfluss auf die Preisgestaltung und Packungsgröße hat, für die mittelbaren Folgen haften muss. Stattdessen muss die Therapiefreiheit der Ärzte gestärkt werden."

Nach seiner Einschätzung ist die Haftung der Ärzte ein wichtiger Grund für das geringe Interesse junger Ärzte an einer Übernahme von Praxen in der Fläche. "Wenn nur einige schwer herzkranke Patienten mit höherem täglichen Arzneimittelbedarf, als ihnen rechnerisch zusteht, genügen, um den behandelnden Arzt in den Ruin zu treiben, dann geraten insbesondere Praxen im ländlichen Raum in immer größere Schwierigkeiten", sagte Garg.

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