Ärzte Zeitung, 19.09.2010

Valproinsäure jetzt auch gegen Migräne

Verordnungseinschränkungen, aber auch Zulassung von Off-label-use bei Migräne standen auf dem Beratungsprogramm des Bundesausschusses.

BERLIN (af). Ausgeschlossen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) den Wirkstoff Reboxetin bei der Behandlung von Depressionen, weil er "keinen belegbaren Nutzen, dafür aber ein hohes Risiko" habe, so der Vorsitzende Dr. Rainer Hess. Der GBA-Beschluss liegt nun zur Prüfung im Gesundheitsministerium, so wie seit Juni auch die Beschlüsse, Glitazone und Glinide von der Erstattungsfähigkeit weitgehend auszuschließen. Wenn das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) einen neuen Nutzenbegriff einführe, könnten die Beschlüsse des GBA kassiert werden, mutmaßte Hess.

Arzneien mit dem Wirkstoff Valproinsäure sind künftig auch zur Migränebehandlung zugelassen. Aus haftungsrechtlichen Gründen hätten die meisten Hersteller die Zustimmung verweigert, ihre Präparate gegen Migräne einzusetzen, sagte Hess. Sechs Hersteller hätten ihr Placet gegeben. Schwangere sind von solchen Behandlungen ausgenommen - es besteht ein Missbildungsrisiko.

Arzneien wie Ritalin durften schon bisher nur ausnahmsweise zur Behandlung von zum Beispiel Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten zu Lasten der Kassen verordnet werden. Jetzt hat der GBA die Verordnungsfähigkeit von Arzneien mit dem Wirkstoff Methylphenidat weiter eingeschränkt. Nur noch Spezialisten für Verhaltensstörungen dürfen die Medikamente verschreiben. Zudem müsse die Therapie regelmäßig unterbrochen werden, um ihre Auswirkungen auf das Befinden des jungen Patienten beurteilen zu können.

Neues von der Sektorengrenze: Vor und nach einer Lebertransplantation kann sich der Patient ambulant in bestimmten Krankenhäusern behandeln lassen. Dafür hat der GBA nun die Voraussetzungen geschaffen. Die Patienten sind ihr Leben lang auf medizinische Weiterbehandlung angewiesen. Da sie besondere Anforderungen an Diagnostik und Therapie stellten, habe der GBA die spezialisierte ambulante Betreuung für diese Patientengruppe geöffnet, sagte Hess. In Deutschland wurden 2009 rund 1200 Lebern verpflanzt.

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